Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/194

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Siebentes Kapitel.
Fortsetzung. Romanendichter der Franzosen.

Bey den Franzosen hat der Geschmack an den Helden des Hofes Carls des Großen und des Königs Arthur noch eine Zeitlang fortgedauert. Sehr viele von denjenigen Romanen, die ich unter der vorigen Periode mit aufgeführt habe, dürften, wie schon oben bemerkt ist, hieher gehören.

In der Folge haben die Franzosen wirkliche Personen aus ihrer Geschichte zu Helden ihrer Romane gemacht. Dahin gehören Bertrand du Guesclin, Clisson[WS 1] und le petit Jehan de Saintré, u. a. m.

Diese Romane haben noch nicht die Form eines epischen Gedichts: keine Einheit der Handlung. Es sind Lebensgeschichten der Helden. In den mehrsten spielt die Liebe nur eine sehr untergeordnete Rolle. Le petit Jehan de Saintré zieht hingegen sein Hauptinteresse aus einer Intrigue mit einer schönen Wittwe, la Dame des belles Cousines genannt.

Diese Intrigue trägt alle Charaktere an sich, mit denen ich oben die anständig sinnliche[WS 2] Galanterie bezeichnet habe: ein heimliches, auf Sinnlichkeit beruhendes Verständniß, das aber durch das Verdienst des Liebhabers, durch seine bewährte Treue, die Sorge der Dame für ihren Ruf, und die Bewahrung des äußeren Anstandes veredelt wird. –

Diese Art der Galanterie erscheint hier sehr ausgebildet, und sogar auf gewisse Grundsätze gebauet. Unter andern sagt die Dame des belles Cousines: „die Sünde der Sinnlichkeit muß von den wahrhaft

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Clissor (siehe Verbesserungen)
  2. Vorlage: heimliche (siehe Verbesserungen)