Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/193

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

von Seelenliebe zwischen beyden Geschlechtern, wie sie von den Philosophen aus der damahligen Zeit gelehrt wurde. „Die wahre Liebe, heißt es darin, hat keinen andern Zweck, als den, unsre Seele mit der geliebten Person zu vereinigen, und ihre Tugend zu ehren, ohne andere Belohnung unsrer Leidenschaft zu erwarten, noch unser Verlangen nach unerlaubtem Genuß zu befriedigen. Diese Liebe ist nicht die Wirkung derjenigen Vernunft, die uns zur Selbstliebe auffordert.“

Die Unterredungen der Schäfer und Schäferinnen in diesem Romane enthalten häufige Erörterungen metaphysischer und praktischer Fragen über die Liebe. Allerwärts leuchtet eine grössere Kultur der Sitten und des Geschmacks hervor; aber an Genie steht das Werk weit unter dem Amadis.

Ich verweise auf die Bibliothek der Romane, um noch mehrere spanische Romane kennen zu lernen, in denen die Vollkommenheit der Liebe in einer hinschmachtenden Begeisterung gesucht wird. Neben diesen giebt es aber auch eine Menge anderer, welche diese Leidenschaft als eine sinnliche Begierde darstellen, die ihren Reitz für die Seele bloß durch die Besorgung einer heimlichen Intrigue erhält. Je verwickelter diese angelegt wird, um desto mehr glauben ihre Verfasser den Leser zu interessieren.