Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/201

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In der nehmlichen Zeit, worin die d’Urfé, die Scudery, u. s. w. die Liebe zu veredeln suchten, behandelten sie andere sehr leicht, oder lieferten die ausgelassensten Produkte einer lüsternen Einbildungskraft. [1]


Achtes Kapitel.
Fortsetzung. Romane der Italiäner.

In den Romanen der Italiäner finden wir früh eine höhere Kultur der Sitten und des Geschmacks, vermöge ihrer genaueren Bekanntschaft mit der alten klassischen Litteratur.

Sie hatten früh neben dem Ritterromane den bürgerlichen, dessen Stoff aus den Begebenheiten des gemeinen Lebens hergenommen war.

In der Theseide des Boccaz sind die Helden des Alterthums sämmtlich als Ritter dargestellt, die Tournier halten, Lanzen brechen, sich aus Liebe zu ihren Damen abhärmen, und um ihren Besitz sich auf Leben und Tod schlagen.

Dieser Roman hat eine epische Einheit. Zwey Nebenbuhler, Arcitas und Palemon, streiten sich um


  1. Man erinnere sich an die Contes de la Reine de Navarre und an Rabelais aus dem sechzehnten Jahrhunderte. Ihre Nachahmer dauerten im siebzehnten Jahrhunderte fort. Man vergleiche: Gordon de Percel de l’Usage des Romans T. II. p. 254 und 310. Uebrigens herrschte in den asotischen Produkten dieser Zeit eine Plattheit, welche den guten Geschmack eben so sehr wie die Sitten beleidigt. Brantome ist gleichfalls hierher zu rechnen.