Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/211

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Frau, der Mangel an Leidenschaft die Sorge für ihre Ehre erleichterte; über den Vorwurf einer eitlen Gefallsucht nicht völlig erhaben. Durch Anziehen und Zurückstoßen (hor benigne accoglienze ed hora Sdegni[WS 1]) hielt sie den nicht erhörten Liebhaber zwanzig Jahre lang in ihren Fesseln.

Dieser entbrannte nicht gleich für sie von einem heiligen Feuer. Er suchte Befriedigung gewöhnlicher Triebe. Aber Laura war verheirathet: sie hielt auf Anstand und Tugend, und wieß den andringenden Jüngling zurück mit den Worten: ich bin nicht diejenige, für die du mich hältst.

„Die Weigerungen der Keuschheit, sagt Montaigne, mindern die Liebe nicht.“ Gewiß nicht bey Seelen, die Gefühl für das sittliche Schöne haben! Und am wenigsten bey Männern von feuriger Imagination, bey Dichtern aus der Periode, worin Petrarka lebte. Hatten nicht die Troubadours, seine Vorgänger, Damen ihres Herzens gehabt, deren Bild, Vorzüge, Strenge, der Gegenstand ihrer Verse gewesen war? War nicht der Grundsatz unter ihnen allgemein, daß ein zu leichter Sieg der Liebe alle ihre Reitzungen nehme? Petrarka fing an zu achten, anzubeten, zu besingen: Seine Leidenschaft erhielt eine neue Spannung.

Es war die Spannung der Eitelkeit, sich geliebt zu wissen, und den äußern Umständen, nicht dem Herzen, diejenige Weigerung verdanken zu wollen, welche seine gröberen Begierden erfuhren. Ein unzweydeutiges Zeichen des innern Kampfes der Leidenschaft mit der Pflicht, wie selig würde es ihn gemacht

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: id hora Idegni (siehe Verbesserungen)