Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/221

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bin?“ – Ein sanftes Lächeln überglänzte hier der Geliebten Antlitz. „Du hast stets mein Herz gehabt, sprach sie. Aber das Uebermaß deiner Leidenschaft erlaubte mir nicht, mich dem Ausbruch der meinigen zu überlassen. Ich mußte dir den wahren Zustand meines Herzens verhehlen, um unsern Ruf und unsere Seelen zu retten. Tausendmahl war der Ausdruck des Zorns auf meinem Gesichte, und brennende Liebe in meinem Herzen. Ach! die Gefühle, welche die Vernunft zu verhehlen befiehlt, sind nicht selten gewaltsamer, als diejenigen, die man ausläßt! Wie oft warf ich dir einen Blick voll Güte zu, wenn ich dich der Verzweiflung nahe sah! Wie oft drückten sich Schmerz und Furcht über deinen Zustand in meinen Mienen aus! Erinnre dich des Tages, da wir allein waren, und ich die Verse gütig aufnahm, die du mir mit den Worten überreichtest:“ das ist Alles, was die Liebe sagen darf! „Durfte die meinige mehr sagen? Nichts mißfiel mir in deiner Leidenschaft, als das Uebermaß. Deine Aufführung machte sie der ganzen Welt kund. Ich wechselte oft mit strenger und sanfter Behandlung ab; aber dieser Kunstgriff war nöthig, um dich und meine Tugend meinem Herzen zu sichern. Beydes nehm’ ich mit mir von der Erde weg, und das macht mein Glück und meinen Stolz aus. Mein Nahme ist durch deine Gedichte überall hin verbreitet: er wird mich überleben. Ich danke dem Schicksal: nur hätte ich in deinem Italien geboren werden mögen! Doch sollte mir das Land nicht gefallen, worin ich dir habe gefallen können? Wer weiß, ob nicht dein Herz, das jetzt meinen ganzen Stolz ausmacht, an diesem Aufenthalte deiner Jugend für einen andern Gegenstand entbrannt