Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/226

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Es läßt sich kaum von Petrarka erwarten, daß er völlig in die Ideen dieses Philosophen der Vorzeit eingedrungen seyn sollte, um so mehr, da dieser sich darüber nicht völlig einstimmig mit sich selbst in allen seinen Schriften äußert.

Es läßt sich nicht läugnen, daß beyde aus der Vereinigung mit den Gegenständen ihrer Anhänglichkeit einen geistigen Genuß zu ziehen gesucht haben. Eben so wahr ist es[WS 1], daß beyde behauptet haben, das Geistige verdiene in der Liebe den Vorzug vor dem Körperlichen, oder sey vielmehr einzig würdig, geliebt zu werden. Endlich kommen beyde darin überein, daß sie in der Liebe einen Anreitz zur Tugend finden, und sich durch die Bewunderung der physischen Schönheit zur geistigen, und von dieser sogar zu dem übersinnlichen und höchsten Wesen erheben wollen. Aber dieser anscheinenden Aehnlichkeit ungeachtet trifft man bey genauerer Prüfung dennoch eine große Verschiedenheit unter ihnen an.

Petrarka dachte über die Liebe ganz anders als Dichter und als Laurens Liebhaber, ganz anders als Moralist. In dieser letzten Eigenschaft verdammte er alle Liebe zur Kreatur, und glaubte, daß alles falschen Adels ungeachtet, welchen man dieser Leidenschaft beyzulegen suche, sie allemahl auf Sinnlichkeit beruhe, von der Liebe zu Gott und von der Religion abziehe, die besten Kräfte des Menschen verzehre, und folglich sowohl den Pflichten gegen das höchste Wesen, als gegen uns selbst und die Gesellschaft entgegen sey. Das Beste, was sie allenfalls einflöße, sey die Begierde nach Ruhm, mit der der Mensch aber gleichfalls nicht weit reiche.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: es fehlt (siehe Verbesserungen)