Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/239

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war, so ist es sehr möglich, daß dergleichen Hofhaltungen Cours d’amours genannt sind. Aehnliche gesellige Institute wurden plaids et gieux sous l’Ormelle genannt, und in der Piccardie gehalten. [1] Diesen gab man gleichfalls oft den Nahmen Parlement. [2]

Nichts natürlicher nun, als daß in diesen der verliebten Dichtkunst gewidmeten Zusammenkünften auch zuweilen Streitfragen, zweifelhafte Fälle in der Liebe, Gegenstände der Aufgaben gewesen sind, und daß die Dichter sich in verschiedene Meinungen getheilt, der eine diese, der andere jene vertheidigt haben. Es ist nicht weniger wahrscheinlich, daß man nach dem ganzen Geiste der Förmlichkeit, der damahls selbst in den geselligen Belustigungen herrschte, und dem Jünglingsalter der Menschheit so angemessen ist, Partheyen habe auftreten lassen, daß Advokaten bestellt sind, und daß endlich der vorsitzende Fürst, Prince d’amour, oder die vorsitzende Dame ein förmliches Erkenntniß, Arrêt, ausgesprochen haben. Ja! es ist am allerwahrscheinlichsten, daß in diesem Zeitalter, worin Dialektik und Rhetorik so sehr zu Hause waren, und worin die ganze Philosophie und Theologie beynahe allein darauf ausging, Streitfragen aufzusuchen, und darüber für und gegen zu disputieren, dieses ernste Geschäft der Schulen zum Vorbilde einer geselligen Unterhaltung gedient habe. Mir ist es sehr


  1. Velly hist. de France. T. III. p. 242.
  2. Fauchet hist. des anciens poetes François. T. II. p. 578.