Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/240

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glaublich, daß die sogenannten Tençons der Troubadours hierin ihren Ursprung finden.

Es können dergleichen Gesellschaften zu Pierre feu, zu Romanin und zu Signes häufiger als an andern Orten gehalten seyn. Ich will ferner glauben, daß die Personen, welche man gemeiniglich als Theilnehmer dieser Cours d’amours anführt, wirklich gewisse Aemter dabey verwaltet, und sich darnach haben nennen lassen. Eben dieß trifft man bey den neueren poetischen Gesellschaften in Deutschland, Frankreich und Italien an.

Aber haben die Aussprüche dieser Cours d’amours wirklich eine anerkannte Autorität, ich will nicht sagen in der bürgerlichen, sondern nur in der guten örtlichen Gesellschaft gehabt? Sind es wahre Sittengerichte gewesen, deren Ansehn auf Uebereinkunft, Anstand, allgemeiner Mode beruhte: deren Erkenntnisse mit derjenigen Gewissenhaftigkeit befolgt wurden, womit wohlerzogene Menschen sich den Gesetzen der Ehre unterworfen glauben? Ward der Ungehorsam, der Widerstand gegen ihre Entscheidungen mit Ausstoßung aus der guten Gesellschaft, oder wenigstens mit ihrer Verachtung bestraft?

Hierüber haben wir schlechterdings keine anderen Data, als diejenigen, welche die Kenntniß des Menschen überhaupt, und besonders in den damahligen Zeiten liefert.

Diese macht es nicht unwahrscheinlich, daß sich gewisse Schwärmer in der Liebe jenen Cours d’amours wirklich können unterworfen, ihre Sache vor denselben vertheidigt, und ihren Ausspruch befolgt haben. Möglich, und wahrscheinlich! Wir finden in den