Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/266

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Leben des Höflings betrachtet. Galant seyn, hieß damahls, für seine Dame Könige und Götter bekriegen. [1] Zu gleicher Zeit that man alles, um seine Leidenschaft möglichst laut werden zu lassen. Jedermann wollte für verliebt gehalten werden. Man bediente sich der hyperbolischen Sprache der Spanier, des glänzend sentimemtalischen Ausdrucks der neueren Italiäner, und mischte beyden noch einen schalen und geschrobenen einheimischen Witz bey. Daß bey diesen Verbindungen geistige Liebe untergelegen habe, wird keiner glauben, der die Memoiren der Zeit gelesen hat: aber man schonte des Anstandes, und sprach nur von dem Ruhme, Gegenliebe zu gewinnen, und schönen Augen zu gefallen.

An dem Hofe Eduards des Dritten in England zeigt sich in der Verbindung dieses Königs mit der Gräfin von Salisbury eine Galanterie, die anfangs auf Sinnlichkeit von Seiten des Liebhabers ausging, aber von der Dame zurückgewiesen, auf Ruhmbegierde und geselliger Unterhaltung beruhen blieb. In den nachherigen Kriegen mit Frankreich erscheinen die englischen Helden wie die französischen, nur etwas schwerfälliger, und drückender anmaßend. Dieser Charakter bleibt ihnen unter der Königin Elisabeth eigen, und spanische Aufgeblasenheit und Schwulst scheinen sich in ihre Galanterie eingeschlichen zu haben. Unter Jakob dem Ersten und Carl dem Ersten nahm sie mehr von dem italiänischen und


  1. Der Duc de la Rochefaucault richtete folgende Verse an Mad. de Longueville.

    Pour meriter son coeur, pour plaire à ses beaux yeux,
    J’ai fait la guerre aux Rois, je l’aurois faite aux Dieux.

    S. Thomas sur les femmes p. 165.