Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/265

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die Mühe, sich zu verstecken. Alles, was von der älteren Galanterie übrig blieb, war ein gewisser äußerer Schein von ceremonieuser Verehrung des Geschlechts, und ein kriegerischer Muth, der sich mit der Sucht nach Vergnügen verband. Beydes wurde mit der diesem Volke eigenen prahlenden Eitelkeit geltend gemacht. [1]

Unter Ludewig dem Dreyzehnten und während der Minorennität Ludewigs des Vierzehnten erreichte aber die Galanterie in Frankreich ihre größte Höhe, durch die Verpflanzung spanischer Sitten auf einen Boden, wo die Weiber weit mehr Freyheit hatten, die Huldigungen der Männer öffentlich anzunehmen, und auf sie einzuwirken.

Die Damen des französischen Hofes bekamen in dieser Zeit ein Gefühl ihrer Wichtigkeit, das sie auf alle mögliche Art durch ihre persönlichen Eigenschaften begründeten. Sie zeichneten sich durch Talente und Geistesbildung aus, und da ihrem Geschlechte besonders diejenige Klugheit zu Theil geworden ist, die zu Führung von Hof- und Stadtintriguen dient; so fanden sie in einem Lande und zu einer Zeit, wo diese so häufig waren, ein geräumiges Feld zum Wirken und Handeln. Damahls waren Weiber an der Spitze jeder Parthey: damahls geschah alles durch und für sie. Die Huldigungen, die ihnen dargebracht wurden, nahmen den Charakter der Pflicht an, und die geringste Gunstbezeugung von ihrer Seite ward als die merkwürdigste Begebenheit in dem


  1. Wie leichtsinnig, wie ausgelassen die Franzosen damahls über die Galanterie dachten, sieht man aus des Brantome femmes galantes.