Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/81

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gewöhnlich an verheiratheten Weibern: beyde sind zu einer heimlichen Besorgung ihres Liebesverständnisses verbunden. Aber Beyde sehen auch ihre Geliebten bey größeren geselligen Zusammenkünften, und finden daselbst eben sowohl die Gelegenheit, ihren Schönen unter den Augen der Männer ihre Huldigungen darzubringen, als einen Genuß für die Eitelkeit und die gesellige Unterhaltung. Beyde scheinen in ihren Klagen oft von der uneigennützigsten Liebe beseelt zu seyn, die sich in dem Dienste einer Gebieterin gänzlich aufzuopfern im Stande ist, und zur Belohnung nur daß Bewußtseyn fordert, daß die Grausame mit ihren Qualen Mitleiden empfindet. Ruhmsucht, Spannung der Phantasie, Beschäftigung des Witzes sind also bey Beyden Mittel, um die Befriedigung gröberer Begierden reitzender zu machen. Besonders haben Beyde von der eigentlichen Kunst zu lieben, oder von dem Inbegriff der Vorschriften, wodurch ein Herz besiegt, erhalten, und der Genuß des heimlichen Verständnisses vervielfältigt wird, die nehmlichen Begriffe. Bey den Troubadours sowohl als bey den römischen Elegikern finden wir die doppelten Sekten, von denen die eine die Liebe als eine ernste Angelegenheit, die andere wie ein Spiel behandelt.

Wenn wir den Umstand gehörig in Anschlag bringen, daß der römische Elegiker an den Weibern der Freygelassenen hing, daß hingegen der Troubadour seiner Fürstin, oder doch den Gattinnen der Großen seine Huldigungen darbrachte; wenn wir nicht vergessen, daß der Römer nur den Eigensinn und die Habsucht der Schönen, allenfalls die Wachsamkeit des Mannes, der Anverwandten, und der Nebenbuhler