Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/92

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die letzte Gunst fordern dürfte. „Ich liebe eine Dame,“ singt Sordel, „die an Werth über alle andere erhaben ist; ich diene ihr lieber ohne Lohn, als einer andern, die mir ihre ganze Gunst schenken würde. Aber was sag’ ich, ohne Lohn? Derjenige ist genug belohnt, der sein Herz an eine Dame voller Ehre und Tugend hängt. Das Vergnügen, ihr zu dienen, ist mir statt alles Gewinnstes! Mehr verlang’ ich nicht! Aber gäbe sie mir mehr, wie gerne würd’ ichs nehmen!“ [1]

Häufig sind die Klagen dieser dem Anschein nach so rein liebenden Dichter über zu lange Prüfungen und einen zu lange hinausgesetzten Lohn treuer Liebe. „Meine Dame, schreibt Rudel, unterwirft mich einer strengen Diät; ich gehe dabey zu Grunde!“ Giraud de Calanson liebt seine Dame mit mehr Treue, ohne die letzte Gunst zu erhalten, als ihr Ehemann, der sie genießt. Aber er bittet sie, ihm ihre zarten Blicke zu ersparen, die ihn vor Verlangen, sie zu besitzen, bersten lassen. Ein Glück, das er den Freuden des Paradieses vorziehen würde. Vidal singt: „wenn ich viel um meiner Dame willen litt, so werde ich endlich


  1. Der Marquis Malaspina verlangt Proben der Liebe und der Treue von seiner Geliebten. „Freund, antwortet ihm diese, durch Geduld und Unterwerfung gelangt man zum Ziele!“ Er beklagt sich über die Unerträglichkeit seines Uebels; sie giebt ihm einen Kuß auf Abschlag. Allein der Liebhaber bittet in Demuth und mit gefalteten Händen um etwas Höheres. „Marquis,“ sogt ihm die Dame, „ihr treibt die Anmaßung zu weit!“ – „Das rührt von dem Uebermaße meiner Liebe her! Ich sterbe vor der Begierde euch zu besitzen,“ erwiedert der Liebhaber. – „Ich will mich wohl hüten,“ antwortet die Dame.