Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/93

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von der Liebe erhalten, was man von ihr erhalten kann: Blatt, Blüthe und Frucht!“ Elias de Barjols klagt sich seiner Verwegenheit wegen an: „Meine Dame hat mir eine Gunst gewährt, warum habe ich größere verlangt?“

Es findet sich kein Beyspiel einer willkührlichen Enthaltsamkeit in den Werken der Troubadours. Schwierigkeiten, die in der Sorge der Damen für ihren Ruf, oder in dem Gefühle ihrer gebundenen Lage zu suchen sind, flößten den Dichtern ihre Genügsamkeit ein. Clara d’ Anduse sagt: „Verläumder, Auflaurer und Mißgünstige, zwingen mich durch üble Nachreden, mich von dir zu entfernen. Liebe, die mich ganz für dich beherrscht, befiehlt mir, mein Herz dir allein aufzubewahren. Wie gern gehorch’ ich ihr! Könnt’ ich meinen Körper stehlen, so würde der, der ihn hat, ihn niemahls besitzen!“ Aimeri de Péguilain, dessen Gedichte sonst viel von jener reinen, uneigennützigen Liebe enthalten, kann demungeachtet die Frage aufwerfen: ob der Schwur der Enthaltsamkeit gebrochen werden dürfe, wenn die Dame dem Liebhaber durch unvorsichtige Annäherung Gelegenheit giebt, ihn zu brechen?

Dieß ist die edelste Gestalt, welche die Liebe in den Werken der Troubadours annimmt, und wornach sie in Ermangelung einer engeren körperlichen Vereinigung sich auf Befriedigung der Ruhmsucht und des Triebes nach Spannung der Phantasie, und Unterhaltung des Witzes, als letzten Zweck, zu beschränken scheint. Es ist nicht unmöglich, daß eine solche Liebe in der wirklichen Welt zwischen dem Troubadour und der vornehmen Dame, der er mit seinen Gedichten