Seite:Reymont - Der Vampir.djvu/274

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Neuntes Kapitel

Der Abend war geradezu abscheulich; es fiel ein feiner, dichter Regen, der einen bis auf die Haut durchnäßte, so daß Zenon vor Kälte zitterte. Die stickige Luft raubte ihm beinahe den Atem und bedeckte sein Gesicht mit einer klebrigen, widerlichen Schicht. Es war schon ziemlich spät, die Fenster sahen aus wie faulende Augenhöhlen, alle Läden waren geschlossen, und nur die vom Nebel verhüllten, rauchgeschwärzten, wassertriefenden Häuser und die Laternen warfen ihr gelblich-schmutziges Licht auf die aufgeweichten Wege. Das Wetter wurde immer schlimmer, so daß nur selten jemand unter einem Regenschirme gebückt in den beinahe ganz verödeten Straßen vorüberglitt. Das unaufhörliche Gedröhn der Traufen und das Rauschen des Regens verursachten Zenon geradezu Schmerz. Ada hatte ihn in einer dringenden und wichtigen Angelegenheit zu sich gebeten, so ging er also, oder schleppte sich vielmehr hin, blieb aber oft an den Straßenecken stehen und starrte voll Furcht auf die öden Plätze und die verlassenen Straßen. Die unzähligen Laternen leuchteten von allen Seiten, vom Nebel verhüllt wie geheimnisvolle Augen, und hier und dort standen Schutzleute in langen Mänteln unbeweglich da, wie schwarze

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Władysław Reymont: Der Vampir. Albert Langen, München 1914, Seite 274. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Reymont_-_Der_Vampir.djvu/274&oldid=- (Version vom 1.8.2018)