Seite:Reymont - Der Vampir.djvu/280

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„Was quält dich? Du weißt doch, ich bin für dich zu allem bereit.“

„Ich werde es dir einmal sagen! Ich werde es dir sagen, ich werde zu dir flüchten, und du wirst mich beschützen, mich von meinen Sünden freisprechen. Ich muß mich jetzt endgültig entscheiden!“

„Du erschreckst mich!“ Seine düsteren Augen beunruhigten sie.

„Ada, wir warten!“ erscholl Heinrichs Stimme aus dem anderen Zimmer.

Sie gingen in den Salon, Heinrich saß vor dem Kamin, und Betsy kam ihnen entgegen.

„Die kleine Wanda verlangt nach Ihnen.“ Sie begrüßte ihn kühl und zurückhaltend.

Das Kind lag im Bett, wie eine welkende Blume, und streckte die kleinen, abgemagerten Händchen nach ihm aus.

„Mamachen wartet, Papachen wartet, Miß Betsy wartet, und wir alle warten, und du, Onkelchen, kommst nicht,“ flüsterte es vorwurfsvoll.

Die süße, klagende Stimme und das blasse Gesichtchen rührten ihn so, daß er nur mit Mühe die Tränen unterdrückte. Er streichelte ihr zerzaustes helles Haar und begann heiter zu erzählen, warum er nicht gekommen wäre.

Sie hörte es ernst an und sagte sehr entschlossen:

„Nun gut, Onkelchen, aber jetzt mußt du schon für immer bei uns bleiben. Mamachen hat gesagt, daß wir, wenn ich wieder gesund bin, heimfahren, und du, Onkelchen, mit uns.“

Empfohlene Zitierweise:
Władysław Reymont: Der Vampir. Albert Langen, München 1914, Seite 280. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Reymont_-_Der_Vampir.djvu/280&oldid=- (Version vom 1.8.2018)