Seite:Ruhlands Flurnamen Aufsatz von Lehrer C. Nicolaus, Ruhland 1931.pdf/7

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Jenseits der Poststraße liegen die alten Sandgruben bei Amtmanns Ruhe und das Schweineläukchen bis zu den kürzlich abgeholzten Ländereien am Neugraben, der hinter Schönburgsau entlangführt.

Für den Schluß unserer Betrachtung verbleibt nun noch das große Gelände zwischen Parschkenweg und Binnengraben bzw. Elsterdamm, das vom Hain- und Buschgraben durchflossen wird. Von der Moltkeallee in Verlängerung der Fischerstraße sehen wir nach der Stadtmühle zu auf den großen und kleinen Koltschen, in Richtung auf das Schützenhaus auf den Hain. Hinter dem Moltkedenkmal durchwandern wir die Horst, mundartlich die „Harscht“. Die Buschwiesen sind durch den Ruhlander Flugtag bekannt geworden. An sie schließen sich die alten Teiche bis an den dammähnlichen Eichenweg von der Hindenburg- und Ludendorff-Eiche nordwärts bis zu Boblans Busch. Dort, wo die Kommunalgrenze jenseits der Elster entlangzieht, rahmt sie an der „Breite“ einen toten Arm des Naundorfer Binnengrabens, den „Schinderwinkel“, ein. Die bei Hochwasser überschwemmten Elster-Vorländer, endlich im engeren Stadtbezirk das Vorwerk (Vorwerkstr. und Schäfereiweg) und der Galgen hinter der Glaskütte, der in den 1870er Jahren noch als Galgenberghutung geführt wurde, sind ihrer Lage nach genügend bekannt. Die Fluren, die in den Katasterblättern nur die spachlich kurze Bezeichnung „am Hermsdorfer Wege“, „am Guteborner Wege“, „am Binnengraben Wege“ usw. tragen, sind in der Skizze nicht aufgenommen, da diese einfache Bezeichnung nichts sonderliches zu sagen hat.

Trotzdem versucht worden ist, ein nach Möglichkeit lückenloses Verzeichnis der Flurnamen aufzustellen, geben die Chroniken von Dahlmann und Klepper noch eine ganze Reihe von Namen an, deren Einordnung in die Flurkarte trotz weitestgehender Umfrage nicht gelingen wollte. Da lesen wir von einem Bär- oder Beerbusch; im Juli 1859 wurde der Binnengraben von der Raak-oder Stadtmühle bis zum „Harakswinkel“ reguliert; „Bälgensträucher“ werden erwähnt. Wo steht die „Hohe Trift“ (bei der Herschenzmühle !)? Wer kennt die „ledigen Stücke“ auf Fraundorf zu? Wo liegt „Kochswinkel“? Ein „Benschenwinkel“ wird 1838 als Kommunalhutung und Gräserei bezeichnet. Im Juni 1813 zieht der französische General Oudinot mit 80000 Mann in Ruhland ein und läßt seine Kanonen am Langen Wege und der Holke auffahren. Der Lange Weg vom Schützenhause nach den Buschwiesen besteht noch heute. Aber die Holke? Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass die älteren und durch Generationen ortsansässigen Einwohner Ruhlands sich dieses oder jenes der fraglichen Flurnamen entsinnen werden, und es wäre zu begrüßen, wenn weitere Mitteilungen zur Vervollständigung und evtl. Berichtigung des Verzeichnisses beitragen würden. Berufne Forscher benötigen solche örtlichen Unterlagen zur Weiterführung ihrer Studien über Natur-, Boden- und Kulturverhältnisse vergangener Jahrhunderte, und nur gemeinsame, lückenlose Arbeit kann auf dem mühsamen Forschungswege vorwärtsführen. Den freundlichen Helfern in dieser Angelegenheit sei der Dank für bereitwillige Mitarbeit ausgesprochen. Wieder stand im Vordergrund des Interesses der Dienst an der heranwachsenden Jugend, um sie im Klassenunterricht und bei den Schulwanderungen auf neue wesenseigne Schätze der engsten Umgebung hinweisen zu können; denn mit der Kenntnis der Vergangenheit wächst auch die Liebe zur eignen Scholle und der Heimat.