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Der Maulwurf.


Unter allen Thieren, die ihre Jungen säugen, ist der Maulwurf das einzige, das seiner Nahrung allein in dunkeln Gängen unter der Erde nachgeht.

Und an dem einen ist’s zu viel, wird mancher sagen, der an seine Felder und Wiesen denkt, wie sie mit Maulwurfs Hügeln bedekt sind, wie der Boden zerwühlt und durchlöchert wird, wie die Gewächse oben absterben, wenn das heimtükische Thier unten an den Wurzeln weidet.

Nun so wollen wir denn Gericht halten über den Missethäter.

Wahr ist es, und nicht zu läugnen, daß er durch seine unterirdischen Gänge hin und wieder den Boden durchwühlt, und ihm etwas von seiner Festigkeit raubt.

Wahr ist es ferner, daß durch die herausgestoßenen Grundhaufen viel fruchtbares Land bedeckt, und die darunter liegenden Keime im Wachsthum gehindert, ja erstickt werden können. Dafür ist jedoch in einer fleißigen Hand der Rechen gut.

Aber wer hat’s gesehen, daß der Maulwurf die Wurzeln abfrißt? wer kann’s behaupten?

Nun, man sagt so: Wo die Wurzeln abgenagt sind und die Pflanzen sterben, wird man auch Maulwürfe finden; und wo keine Maulwürfe sind, geschieht das auch nicht. Folglich thuts der Maulwurf. – Der das sagt, ist vermuthlich der Nemliche, der einmal so behauptet hat: Wenn im Frühlinge die Frösche zeitlich quaken, so schlägt auch das Laub bei Zeiten aus. Wenn aber die Frösche lange nicht quaken

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Johann Peter Hebel: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes. Tübingen 1811, Seite 68. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Schatzkaestlein_des_rheinischen_Hausfreundes.djvu/076&oldid=- (Version vom 1.8.2018)