Seite:Seifenblasen-Kurd Laßwitz-1890.djvu/104

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der höchsten Billigung bei den Menschen ist, wie aber ist es erklärlich, daß sie dies bei dem Menschen that, den sie eben so schlecht behandelt hatte? Dabei rannen Tropfen aus ihren Augen. Jetzt begann sie selbst zu schreiben. Auch ihre Zeilen hatte ich Zeit genau zu studieren.


     Lieber teurer Freund!

Freuen Sie sich nicht, daß Sie einen Brief von mir erhalten, er wird Ihnen eine Enttäuschung bringen, aber es muß sein. Es ist mir klar geworden, ich kann das Leben nicht mehr ertragen, das ich führe, es ist ein Leben der Lüge. Ich betrüge meine Eltern, ich betrüge die Ihrigen, und so lebe ich in einer ewigen Furcht vor Entdeckung. Schon ist meine Mutter mißtrauisch geworden, ich habe Sie deswegen gemieden — so schwer es mir wurde. Es muß noch Schwereres geschehen, ich darf Sie nicht wiedersehen. Ich weiß keinen andern Weg. Eine Entdeckung wäre mir entsetzlich, und wir würden dann unter Schimpf und Schande getrennt. Das wird Ihre Liebe nicht mir zumuten wollen. Darum trennen wir uns freiwillig. Denn der andere Weg, daß wir den Unsern unsere Liebe bekennen, daß wir alles auf uns nehmen und der Welt um unserer Liebe willen trotzen, der ist uns verschlossen. Nie wird mein Stolz gestatten, daß Sie um meinetwillen die glänzende Laufbahn aufgeben, zu der Sie bestimmt sind, daß Sie die Pflichten versäumen, welche Sie dem Leben schulden, daß Sie alle Schranken durchbrechen, um im Kampfe

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Kurd Laßwitz: Seifenblasen. Leopold Voß, Hamburg und Leipzig 1890, Seite 104. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Seifenblasen-Kurd_La%C3%9Fwitz-1890.djvu/104&oldid=- (Version vom 20.8.2021)