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Am 3. September sahen wir den ersten deutschen Soldaten, einen 5. Kürassier, mit Freudentränen wurde er begrüßt. Er hielt auf seinem Fuchs unterm Fenster und erzählte, eine deutsche Division läge hinter Barten. Vier Kürassiere kamen als Patrouille. Einer ritt nach Wolfshagen weiter, dem wurde das Pferd unterm Leib fortgeschossen, 50 Schuß ihm noch nachgeschickt; mit dem Helm in der Hand kam er die 2 km hergelaufen, holte sich ein Pferd und Sattel von uns und jagte davon nach Barten zu. - Die andern drei Kürassiere erfuhren, daß sich auf dem Boden in unserm Kutscherhaus drei russische Infanteristen eben versteckt hatten. Sie beschossen nun das Haus, die Kugeln gingen durch Wände, Schränke und Kleider, schließlich guckte ein Kürassier durch die Haustür und sah einen toten Russen im Flur liegen mit dreimal gespaltenem Schädel. Darauf verzogen sie sich, sagten, sie könnten sich nicht länger hier aufhalten. Es wäre anzunehmen, daß die beiden andern Russen nun Verstärkungen holen und nachts das ganze Dorf anstecken und abmorden würden. Wir sollten im Chausseegraben entlang nach Barten zu fliehen. Fast alle Leute zogen mit einem Bündel auf dem Rücken los, der Lehrer und Gastwirt und viele andere. Tagelang vorher schliefen schon etwa 100–150 Personen hier im Hause, in der Gesindestube waren allein etwa 30–40 Kinder. Zu Hause

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Sally Innes Siegfried: Aus der Russenzeit Ostpreußens. Verlag von Hapke & Schmidt, Berlin 1915, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:SiegfriedAusDerRussenzeitOstpreussens.pdf/42&oldid=- (Version vom 1.8.2018)