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nicht möglich, jemand dazu heranzubekommen, sie hatten Angst, Kosaken würden sie überraschen. Schließlich sagte ich zu meinen Töchtern, sie sollten mit kommen, wir nahmen Spaten und wollten uns gerade an die schaurige Arbeit machen, da sagten mir zwei Männer, sie hätten den Russen eben im Kartoffelgarten flach eingegraben. -

Mein Kämmerer, nervös gemacht durch die ganze schwere Zeit, erklärte, das Leben hielte er nicht aus, er ginge fort und wenn er sich das Leben nehmen sollte; ich hatte ihm vorher gesagt, er solle dafür sorgen, daß der Russe beerdigt würde; die Leute wollten nicht gehorchen und es war für ihn ja auch sehr schwer. Meine Vorstellungen halfen nichts; ich sagte ihm: der Leute wegen wäre ich geblieben, mir wäre es auch bequemer, nach Hamburg zur Großmutter mit den Kindern zu reisen, aber das Pflichtgefühl gegen die Leute hätte mich hier gehalten. Er wäre nun noch meine letzte Stütze usw. Es half nichts, er zog los, aber gegen Abend war er schon wieder da. -

Fünf große Feuer waren am Himmel wieder zu sehen, wir vermuteten Birkenfeld auch darunter und hatten leider recht, wie wir später hörten. - Mehreren Trupps Kosaken trat ich mit meinem Zettel vom General entgegen, das Schlimme ist nur, daß die Gemeinen meistens nicht lesen können. Sie haben auch wieder allen Männern im Kuhstall die Taschen durchgesucht. In den Westentaschen

Empfohlene Zitierweise:
Sally Innes Siegfried: Aus der Russenzeit Ostpreußens. Verlag von Hapke & Schmidt, Berlin 1915, Seite 34. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:SiegfriedAusDerRussenzeitOstpreussens.pdf/44&oldid=- (Version vom 28.10.2018)