Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/20

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Treibarbeit und in der gleichen Modellierung der gegossenen Ansatzstücke verrät unser Mörser schon die dem Barockempfinden eigene großzügigere Behandlung. Wenn die Goldschmiedemarke auf den in Dresden 1647 Meister gewordenen Friedrich Kellerthaler zu deuten ist, dann ist dieser mit gediegener technischer Schulung ausgestattete Goldschmied in seinem Formgefühl Wege gegangen, die dem in Augsburg in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aufkommenden Formgefühl nahekommen.

Wir haben an den Goldschmiedewerken des ersten Bandes beobachten können, daß schon im 16. Jahrhundert die Sitte weit verbreitet war, als Trinkgeräte Tiere und Fabelwesen auszugestalten. Daran knüpft die in vergoldetem Silber getriebene Schubkarrengruppe an (Tafel 5, 2). Die beiden Figuren der Gruppe sind wohl nicht als Trinkgerät, wohl aber als Dosen verwendbar gedacht, vermutlich um Zuckerbackwerk darin darzubieten. Das Ganze sollte aber zugleich als Tafelschmuck dienen und dabei doch auch eine ernste Mahnung enthalten; ungefähr so, wie die alten Römer bei ihren Gastmählern kleine menschliche Skelette aufstellten. Die Gruppe zeigt die Folgen der Schlemmerei, indem ein Fresser und Säufer seinen angeschwollenen Leib nicht mehr allein fortbewegen kann und, mit allen Leiden seines Lasters behaftet, sich in einem Schubkarren als Büßer auf der Pilgerreise fahren lassen muß. Die zu späte Reue führt ihn aber nicht in den Himmel, sondern in die Hölle, denn der „Freß- und Saufteufel“ ist es, der den Karren fährt. Die Gruppe knüpft an satirische Darstellungen der Zeit an, die ihren gedanklichen Ursprung wohl in Gedichten des Hans Sachs gehabt haben. Sie waren seit der Reformationszeit sehr beliebt, sicher nicht ohne Grund. Ein Holzschnitt des Peter Flötner, der Tod und das schlemmende Liebespaar, Röttinger Nr. 20, ist von ganz ähnlichen Motiven erfüllt, der aus einem Gebüsch zuschauende Teufel ist darauf als Backofen dargestellt. Es ist also nur eine Variante dieses Motivs, wenn in unserer Schubkarrengruppe der Teufel als Faß verkörpert ist, an dessen Reifen ringsum Kochgeräte und Fressalien aufgehängt sind. Die auf dem Pilgerhut des Schlemmers ragende Hahnenbüste mit dem Augenglas auf dem Schnabel soll auf die Folgen der Trunk- und Freßsucht hinweisen. Ob der Nürnberger Meister unserer Gruppe, Christoph Lindenberger, Meister 1546, † nach 1573, auch als ihr Erfinder zu gelten hat, oder ob er nur das Motiv wiederholt hat, ist nicht sicher festzustellen. Eine ähnliche doch aber nicht genau wiederholte Gruppe befindet sich in Frankfurt am Main in Privatbesitz. Die erste Gestaltung der