Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/29

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

dessen Grundform schon in der romanischen Stilperiode feststand, eine gewisse Selbständigkeit bewahrt. Seine mit den Mitteln der Treibarbeit leicht zu erzielende Form steht in ihren weicheren Umrissen den mit den gleichen Mitteln gestalteten Gefäßen zu weltlichem Gebrauch am nächsten; doch aber hat nicht dieser Kelch, dessen breiter Fuß sich in starker Einschweifung zum Schaft entwickelt, der, einen breiteren Knauf durchdringend, das kurze zum Mundrand sich stark verbreiternde deckellose Gefäß trägt, auf die weltlichen Gefäße formenbildend eingewirkt. Gerade als Trinkgerät für den persönlichen Gebrauch hätte er die zweckentsprechende Größe und Form gehabt. Es mag sein, daß seine durch den kirchlichen Gebrauch geweihte Form von seiner Übernahme in den weltlichen Formenschatz abhielt. Es scheint, daß für den häuslichen Gebrauch zunächst die einfache fußlose Becherform, die sich nach oben in gerader Richtung erweitert, ausgebildet wurde. Daran schloß sich dann wohl die kürzere Form des Häufebechers auf niedrigem Fuß, der sich leicht mit anderen ineinandersetzen ließ. Mit Gravierung, Buckelung durch Treibarbeit und Ziselierung konnte man zu seiner bescheidenen Verzierung beitragen. Einen Schritt zur prunkvolleren Ausgestaltung machte dann die Form des höheren Bechers bei vergrößerten Maßen, indem seine Wandung durch Hämmern des dehnbaren Metalls nach innen eingeschweift wurde, der Becher auch auf einen Fußring mit drei kurzen Füßen gesetzt und mit einem Deckel gekrönt wurde. In dieser eingeschweiften Becherform sind schon unter Beschränkung auf die Flächenverzierung, die ihren Umriß unverändert ließ, höchst prunkvolle Werke entstanden. Wenn daran, wie an dem Wiener Schmelzbecher des 15. Jahrhunderts, die Flächen mit Email überzogen waren, so war er der Beschädigung leicht ausgesetzt und konnte ohne Gefährdung nicht von Hand zu Hand gegeben werden. Wollte das zu Wohlstand gelangte Bürgertum in den Ratsstuben und den Zunftstuben oder auch in den Wohnräumen der Patrizier seinen Besitz in wertvollem Silber zur Schau bringen und dieses auch bei festlichen Anlässen in Gebrauch nehmen, dann war und blieb es am zweckmäßigsten, solchem Gerät keinen anderen Schmuck hinzuzufügen, als der mit den Mitteln des Handwerksgeräts des Silberschmieds zu erzielen war; die Vergoldung in Feuer verlieh den Gefäßen einen dauerhaften Farbenglanz, der das auffallende Licht in jeder Teilform widerspiegelte und neben dessen glänzender Farbe die Belebung durch noch andere Farben zunächst nicht in Aussicht genommen wurde. Den größeren Aufwand verwendete der Silberschmied auf die prunkvollere Ausgestaltung