Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/125

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sind mit vier Frauen die vier Jahreszeiten in Emailmalerei personifiziert. Ebenso sind die beiden großen Mittelfelder der Deckel in Emailmalerei, vorn mit dem großen Wappen des Kurfürsten, hinten mit einem Obelisken in einer Landschaft ausgefüllt, beides sicher in Rücksicht auf dessen persönliche Wünsche und Vorliebe. Es ist die Zeit der Devisen- und Emblemeliebhaberei. Das zeigen auch die Inschriften auf den kleineren Feldern. Diese sind ausgestochen und mit schwarzem Email ausgefüllt, daraus leuchten in Gold die stehengelassenen Inschriften heraus, vorn die Initialen des Kurfürsten und seines Titels, sowie die Jahreszahl 1657, hinten in hebräischen Schriftzeichen der Name Jehovas und die Devise: Sursum deorsum, auf und nieder, zwischen den Rahmen weiße Blumenranken. So war dem Hersteller des Deckels kaum Gelegenheit geboten, neben seiner großen technischen Fertigkeit noch besondere künstlerische Qualitäten zu bekunden.

Völlig frei war darin dagegen der Hersteller der goldenen Buchkapsel auf derselben Tafel 38 in der Mitte links, die etwa um die gleiche Zeit entstanden ist. Die Blumenliebhaberei war um die Mitte des 17. Jahrhunderts von Holland ausgehend überall verbreitet, damit gleichzeitig auch deren Darstellung, besonders in der Miniatur- und Emailmalerei. Als reine Emailgemälde sind auf beiden Teilen der Kapsel die ovalen Mittelfelder auf weißem Grund mit zwei Blumensträußen ausgeführt. In gemischter Technik ist der schraffierte Goldgrund ringsum in Email mit allerlei Blumen, die von den unten zusammengebundenen Stengeln aus sich um die Mittelfelder ranken, in harmonischem Farbenspiel ausgefüllt. Ein größerer rechteckiger Spiegel im Grünen Gewölbe (III, 51) zeigt auf seiner goldenen Rückseite ganz die gleiche Technik in reicherer Ausführung. Da der französische zeitgenössische Kunstschriftsteller A. Félibien des Avaux in seinen zuerst 1666 erschienenen Entretiens dem 1618 zu Blois geborenen Pierre Chartier besonderes Lob als Emailleur von Blumen zuspricht, so hat man vielleicht Grund, ihm diese beiden Stücke zuzuweisen.

Von wem, oder auch nur wo die goldenen Deckel des Notizbuches auf Tafel 38 unten links emailliert worden sind, läßt sich vorläufig nicht erkennen. Die Arbeit ist sicher erst zur Zeit Augusts des Starken entstanden und auf ihn zielt die von Frauenhand auf einem Blatt geschriebene freimütige Notiz: „Si j’étais Roy, je ne voudrais avoir un Grüne Gewölbe, que quand il n’y auroit plus un pauvre dans mon Royaume.“ Da das Grüne Gewölbe erst 1724