Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/67

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entstanden sein, wenn man überhaupt sie wird aus dem Dresdner Bestand herausfinden können. In demselben Jahr 1601 machte Kurfürst Christian II. mit seinen beiden Brüdern den von dem Dresdner Goldschmied Gabriel Gipfel gelieferten kristallenen Kruzifix (Tafel 26) seiner Mutter Sophie zum Weihnachtsgeschenk. Das sind die einzigen Kristallarbeiten, die er erworben hat. So bleibt also die im Inventar der Schatzkammer aufgezählte Gruppe von rund 40 Kristallarbeiten zeitlich reichlich entfernt von späteren andersartigen Zugängen. Sie wurde gleichzeitig nur in geringfügiger Zahl ergänzt durch den Bestand an Kristallen der Kunstkammer laut dem Inventar von 1595, worin 14 kristallene Gläser spezifiziert werden als Kompaß, Gläser, Spiegel und Brillen, davon vier in schwarzes Horn gefaßt und alle, außer dem an anderer Stelle jenes Inventars aufgeführten großen wichtigen Spiegel, unbestimmbar.

Dieser Spiegel befand sich also, wie erwähnt, unter den Geschenken des Herzogs Emanuel Philibert von Savoyen, deren Empfang Kurfürst August in einem seiner beiden vorerwähnten Schreiben an den Herzog bestätigt. Er ist also entweder vor 1578 oder schon vor 1574 in Dresden angekommen und Kurfürst August hat ihn seiner Kunstkammer zugewiesen. Es ist anzunehmen, daß er zu den frühesten Geschenken gehörte, die Emanuel Philibert nach Dresden geschickt hat, seine Bergkristallteile bilden noch keine Besonderheit; das ist erst der Fall bei jenen Ziergefäßen, an denen Kurfürst August die Kunst des Steinschneiders in erhabener und vertiefter Arbeit und die subtilste Arbeit in Email und Juwelen an der einheitlichen Goldfassung bewundern konnte und darum diese kostbaren Stücke der Schatzkammer zuwies, ebenso wie das als Geschenk aus Savoyen erhaltene Silbergeschirr.

Die Gründe für jene Geschenke waren politischer Natur. Emanuel Philiberts Vater hatte sein Land an Frankreich verloren, der Sohn suchte es zurückzugewinnen. In Diensten Kaiser Karls V. kämpfte er siegreich gegen die Franzosen und gelangte wieder zur Herrschaft. Doch fühlte er sich dauernd in seinem zwischen Frankreich und Italien gelegenen Land bedrängt und darum suchte er als deutscher Reichsstand Anschluß bei den deutschen Fürsten. Die Erfolge des Herzogs Moritz von Sachsen und seine Anerkennung als Kurfürst verwiesen ihn besonders auf Sachsen und so hatte er seit 1552 hier wiederholt Anschluß gesucht, anfangs ohne Erfolg. Dann hatte er den Kurfürst August um seine Zustimmung ersucht, den sächsischen Rautenschild in sein Wappen aufzunehmen, indem er aus der Abstammung seines Geschlechts von den sächsischen