Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/79

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

Sitte der Italiener, den aus dem hochgehaltenen Gefäß herausschießenden Strahl mit dem Mund aufzufangen. An eine Trinkschale mahnt ja auch das um die eingezogene Bordkante eingeschnittene Weinlaub. Die übrigen Verzierungen sind der See entlehnt. Am Kielbogen eingeschnittene Meereswellen mit Tritonen, Delphinen und Haifischen, auf der Bordkante vorn und hinten aufliegende, vollrund geschnittene Delphinpaare mit verschlungenen Schwänzen. Tiefschnitt und Hochschnitt sind an dem Stück aufs glücklichste zu harmonischer Wirkung gebracht. Die silbervergoldete Fassung des Fußes ist anders behandelt als die der seither besprochenen Stücke, sie hat neben einem Reifen von Rubinen aufgelegte emaillierte Ranken. Dagegen hat die Fassung des Fußes der Schale mit dem Muschelaufbau wieder das eingestochene emaillierte Ornament und ferner haben die beiden weiblichen Hermen der Handhaben in der Art der Teufelskanne aus Gold aufgesetzte Köpfe. Doch füllt auch wie dort das von flammender Bewegung erfüllte Laubwerk die ganze Wandung aus und in sie sind noch groteske Sirenen mit gleichartig stilisierten Flügeln und Maskenbündel eingeschnitten. Man darf also wohl für diese beiden Stücke an den gleichen Ursprung denken.

Neben jener Gruppe von Werken, an denen oft ein unregelmäßig gebildetes Fundstück die Phantasie zu ungewöhnlichen Bildungen veranlaßt hat, entstanden schon gleichzeitig Gefäße von regelmäßiger Gestaltung, für die schon in der Keramik und der Glasindustrie längst vorhandene Formen die Anregung gegeben haben. So ist ein sehr langer Kristall dazu verwendet worden, einen hohen schlanken nach der kreisrunden Öffnung zu kegelförmig mäßig erweiterten Pokal zu schleifen, der auf kurzem runden Kristallfuß in Goldfassung sitzt und von einem solchen flach gewölbten Deckel abgeschlossen wird. Der Steinschneider hat nur das untere Viertel dichter bearbeitet und hier das für den Gefäßboden beliebte Motiv von Meereswellen mit darauf kämpfenden Tritonen eingegraben. Der hohe Raum darüber wirkt als Luftraum, die Gefäßwand ist nur durch dünne Zweige und Festons belebt, an denen verschiedene Fische und Satyrn, sowie Blumenvasen die spärlichen Akzente bilden. Die gleiche zurückhaltende Verzierung hat Fuß und Deckel. Es äußert sich darin ein anderes, zarteres Stilgefühl. Eine eigenartige sehr glückliche Verzierung hat die leicht emaillierte Goldfassung erhalten. Fußrand, Knauf und Deckelspitze sind mit weinroten Granatschalen besetzt, deren Herkunft für den Ort ihrer Verwendung gleichgültig ist. Denn das sowohl bei Schalen wie bei hohen Gefäßen