Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/84

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weiter entwickelt und durch Email und Juwelen noch farbenprächtig zur Geltung gebracht werden. So ist die Aufgabe, einen Löffel zu gestalten, eigentlich nur zum Vorwand geworden, die Schmuckstücke der Renaissance um eine besondere Spezialität zu bereichern, die wohl Dresden selbst und dem Luxusbedürfnis von Kurfürst August und Anna ihre Entstehung verdankt. Das Gegenstück hierzu auf Tafel 11, gleichfalls mit einer Schale aus orientalischem Sardonyx, ist breiter und flächig entwickelt, es schließt sich in der Form dem Gebrauchssilber der Zeit näher an, doch folgt es in der Verbindung von Stiel mit Schale dem gleichen Formungsprinzip und paßt sich zugleich in der Schweifung des flachen Stiels dem Gebrauchszweck mehr an. Dabei boten zugleich dessen Flächen günstigen Boden, um darauf ausgestochene emaillierte Blumen anzubringen, die wohl dem Ende des 17. Jhdts. zuzuweisen sind. Eine Deutung für das eingemischte K unter einer Krone hat sich bisher nicht finden lassen. Es kam erst als Geschenk einer Herzogin von Teschen an August den Starken und kann somit noch als Zeugnis dafür gelten, wie andauernd verbreitet der Sinn dafür war, ein bloßes Gebrauchsgerät zu einem kleinen Kunstwerk zu erhöhen.

Das glänzendste Zeugnis für diesen Sinn bietet uns das in der Mitte der Tafel 11 abgebildete Eßbesteck aus emailliertem Gold, das in einer Vereinigung von Löffel und Gabel besteht, wobei die der Schale aufgelegten Ranken zum Einschieben der Zinken eingerichtet sind und der Stiel durch Schieber zusammengehalten wird. Auch dieses Prachtstück ist erst als Geschenk an August den Starken hierher gekommen und sicher deutschen Ursprungs, wenn auch nicht in Dresden entstanden; doch lehrt seine dem kleinen Löffel rechts verwandte Gestaltung und Verzierung, wie gleichmäßig verbreitet an den Hauptorten der Goldschmiedekunst deren Formgefühl und technische Schulung war. Auf der goldenen Schale ist die Jahreszahl MCCC–LXXVI eingepunzt, die mit der Entstehungszeit des Stücks in keinerlei Zusammenhang steht. Die nächstliegende Erklärung mag sein, daß der ausführende Arbeiter die Zahl falsch gelesen hat, die vermutlich 1576 bedeuten sollte. Der Stil der Verzierung verweist die Entstehung jedenfalls in diese Zeit. Dabei ist jedoch die auf den Kopf des Stiels aufgesetzte, an sich recht glücklich gebildete emaillierte Goldfigur eines tanzenden Harlekins erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts hinzugefügt. Vorher befand sich hier die knieende Königstochter, die vom hl. Georg befreit wird. Von diesem Eßbesteck existiert fast ein ganzes Dutzend von Varianten. Das aus vergoldetem Silber hergestellte Stück in der Schatzkammer zu München hat noch