Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 4.pdf/41

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der jüngste der Dargestellten, damals kaum acht Jahre alt, hatte noch keine kriegerischen oder politischen Heldentaten aufzuweisen. So bäumt sich sein Pony nicht über einen besiegten Feind, sondern vor der knieenden Hispania, die dem Knaben Krone und Szepter auf einem Kissen darbietet. Heldischer Kampf gegen die Mächte der Unterwelt, ob sie nun von Osten drohten oder sich im eigenen Lande gegen die gottgewollte Herrschaft erhoben – diese Idee liegt auch den meisten Reiterdarstellungen des 17. Jahrhunderts zu Grunde. Wobei die körperliche Erscheinung der Gegner, soweit sie nicht von den Hufen des Pferdes zerschmettert, vom Helden durch die blanke Waffe vernichtet wird, oft noch am Sockel, aus Fesseln sich aufbäumend, ihr unheilvolles Wesen treibt.


Der Heilige Georg als Drachentöter ist der Stammvater aller christlichen Fürsten, die hoch zu Roß gegen den Drachen der Auflehnung streiten. Und das mit besonderem Nachdruck, wo der Befreier der schönen Prinzessin, den die Antike und die Mythologie der Renaissance als Perseus, den Beschützer der Andromeda, erlebte, zugleich der Schutzherr von Land und Volk war. Als der Schlesier Gottfried Leygebe, im Schnitte eiserner Degengefäße, Beschläge, Zieraten wohl geübt, sich daran wagte, eine ganze Freifigur aus dem geschmiedeten Block zu schneiden, saß in England Karl II. auf dem Throne der Stuarts. Die Revolution lag am Boden: am 29. Mai 1660 war der legitime Herrscher wieder in seine Hauptstadt eingezogen. Das Hauptwerk des Nürnberger Meisters, das einzige, dem der Chronist Sandrart die Ehre einer ausführlichen Beschreibung gönnt, wurde so zu einer Huldigung für den rechtmäßigen Herrn der britischen Insel. Die Subtilität der Arbeit „daß einer, der des Pferdes Haut und Haare anrührte, nichts rauhes, sondern nur lauter Lindheit gespühret, und konte man die Adern wol ausnehmen, auch Sattel und Zeug nicht, noch des Pferdes Stellung verbessern“, ist bewundernswerter als der Aufbau der Gruppe. Ohne sichtbare Erregung erhebt der Held, trotz seiner dreißig Jahre ein müder Mann mit ältlichen Zügen, sein breites Krummschwert gegen das siebenköpfige Untier. Zu dem Harnische des römischen Feldherrn will die ungefüge Waffe wenig passen. Der Naturalismus der Durchbildung verzichtet aber nicht auf die höhere Sinngebung der Symbolik. So prangen am Brustriemen wie am Gebiß des Pferdes die Lilien Frankreichs, des Landes, wo der Knabe erzogen worden war und das den Vertriebenen zuerst freundlich aufgenommen hatte. Deutlicher aber wird die Sprache, wo es sich um den Lord-Protektor, den Führer der Revolution handelt. Der Kopf Cromwells, als Unrat