Seite:Statistische Darstellung des Kreises Borken.pdf/10

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23 Frauen; durch innere acute Krankheiten 316 männliche und 304 weibliche; durch innere chronische Krankheiten 625 männliche und 669 weibliche; an Schlagflüssen 55 männliche und 49 weibliche; an äußern Krankheiten 24 männliche und 21 weibliche und an nicht bestimmten Krankheiten 96 männliche und 99 weibliche Personen.

Der Krankheits-Character der letzten drei Jahre war catarrhalisch-rheumatisch mit gastrischer Complication, und trat in einfachen Catarrhen, catarrhalischen und rheumatischen Fiebern, Augen- und Halsentzündungen, Cholerine, gastrosen und gastrischen Fiebern auf. Als epidemische und endemische Krankheiten sind zu bemerken: Ruhr, Scharlach, Masern, Keuchhusten, Grippe und Halsbräune. Die Ruhr war im Jahre 1859 am ausgedehntesten und nahm in den beiden folgenden Jahren gradweise ab. Die nervösen Fieber waren verhältnißmäßig seltener, als in frühern Jahren, Wechselfieber dagegen häufiger. Verhäutungen der Speiseröhre, des Magens und der sonstigen Verdauungsorgane waren eine häufige Erscheinung, namentlich bei Männern, welche zuviel geistige Getränke genossen hatten.

Von diesen Krankheiten wurden die verschiedenen Bevölkerungs-Klassen gleichmäßig befallen, mit Ausschluß des Wechselfiebers, welches nur bei der arbeitenden Klasse beobachtet wurde.

Das Sterblichkeits-Verhältniß war trotz der zahlreichen epidemischen Krankheiten kaum vermehrt und betrug im Verhältniß zur Gesammt-Bevölkerung des Kreises 2,28% jährlich.

Die Schutzblattern-Impfung erfreut sich nicht überall gleichen Vertrauens. Zwar wird dieselbe in den meisten Ortschaften des Kreises nicht verabsäumt, doch gibt es Eltern, welche ihre jungen Kinder absichtlich von der Impfung zurückhalten. Am auffallendsten ist dies in Borken, wo von den in den drei letzten Jahren zu impfenden 677 Kindern nur 89 wirklich geimpft wurden, also 588 ungeimpft geblieben sind. Dies Resultat kann nur als eine Folge der dort verbreiteten Ansicht angesehen werden, daß die Impfung gegen die natürlichen Blattern nicht schütze. Mag auch in neuerer Zeit die Überzeugung gewonnen sein, daß sie einen dauernden Schutz nicht gewähre, so steht doch dagegen fest, daß derselbe für die ersten fünfzehn bis zwanzig Jahre ausreichend ist, und dann durch Revaccination weiter gesichert werden kann.

Es waren in den drei letzten Jahren 3946 Impflinge zu impfen. Davon sind mit Erfolg geimpft 2852, zum vierten Male fruchtlos aufgefordert 112, ungeimpft geblieben und noch nicht einmal aufgefordert 979, und zum dritten Male ohne Erfolg geimpft 3.

Hinsichtlich der Sterblichkeit kleiner Kinder ist zu bemerken, daß dieselbe in der letzten dreijährigen Periode eine sehr gewöhnliche, und auch die der unehelichen (sogenannte Haltekinder sind im Kreise nicht vorhanden) Kinder um 2 geringer war, als in der vorhergehenden. Im Jahre 1858 allein starben 225 Kinder vor vollendetem ersten Lebensjahre, unter welchen 8 uneheliche waren; in diesem Jahre zeigte sich überhaupt eine größere Sterblichkeit, die in den miasmatischen und contagiösen Verhältnissen ihre Begründung finden mag. Bezüglich der vorgekommenen Selbstmorde ist zu bemerken, daß die drei männlichen Personen sich erhängt haben, wogegen die eine weibliche Person ihren Tod im Wasser gefunden hat.