Seite:Sylvicultura oeconomica.pdf/54

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Liste.png Hans Carl von Carlowitz: Sylvicultura oeconomica

seyn / als gegen Mittag / da sie grösser und weiter von einander stehen / aus Ursachen / weil die Sonne und Wärme mehr Würckung alhier hat / als gegen der Mitternachts Seite / da die Kälte und Nord-Winde das Wachsthum / oder Ergrösserung der Jahren verhindern / jedoch findet man an denen / so etwas tief in Wäldern stehen hierunter gar keinen Unterscheid.

§. 45. Sonsten aber hat man durchgehends eine schöne Erinnerung der Göttlichen Providenz und der stetig geschäfftigen Natur an den Bäumen / auch in folgenden zufinden; Denn nachdem ihre Früchte und Saamen abgefallen / oder abgenommen sind / siehet man sie auch in kurtzen ohne Laub; aber doch ist der Verlust daher geringe / weil GOtt allbereits zuvor dieselben schon mit neuen Aeugelein und Knospen in Herbst versehen / darauf sie nehmlich im Frühling ausschlagen / die Knospen aufbrechen / und von der Natur mit Laub-Blüthe und Früchten nach und nach wieder gezieret werden / so kan man also an ihnen schon zugleich die Künfftigen mit sehen / und sind die Laub- Blüthe- oder Trage-Knospen / damit sie sich das künfftige Jahr beliebt / nützlich und annehmlich machen wollen / schon verhanden / welche auch im Herbst / wenn die andern Blätter abfallen / als eine Hoffnung des folgenden Sommers bleiben / und von Leuten / so hievon Wissenschafft haben / gar wohl können[WS 1] erkant und unterschieden werden / nehmlich welche Knospen / Laub / und welche Blüthe / Saamen oder Früchte herfür bringen dürfften.

Daraus klährlich abzunehmen ist / daß wenn die Bäume / so in Nordlichen Ländern befindlich / nicht durch den Winter und strenge Kälte abgehalten und gehindert würden / sie also fort wieder ausschlagen / und des Jahrs 2.mahl tragen könten.

Es ist aber dabey zubeobachten / daß wenn der Baum ein Jahr viel Früchte und Saamen getragen / er das folgende darauff nicht so viel geben kan / aus Ursachen / weil eben an denen Orten / Enden / oder Aestlein / wo die Früchte gestanden / keine Blüth-Knospen sich wieder erheben / und in späten Herbst herfür bringen können / sondern leer bleiben.

§. 46. Ob die Bäume wohl von Winden und grausamen Stürmen also beweget / wie auch von der grossen Hitze und Kälte dermaßen gedrücket / angegriffen und gezwungen werden / daß für Menschlichen Augen es fast unmöglich scheinet / daß sie sich dagegen solten unumgebrochen und unbeschädigt erhalten können / sondern vielmehr verderben müsten / so hat sie doch GOtt mit innerlicher Krafft und Wurtzeln dergestallt versehen welche / in der Erde befestiget / und so steiff eingetrieben sind / dadurch sie in ihren

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: könnnen
Empfohlene Zitierweise:
Hans Carl von Carlowitz: Sylvicultura oeconomica. Johann Friedrich Braun, Leipzig 1713, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Sylvicultura_oeconomica.pdf/54&oldid=3037880 (Version vom 30.8.2017)