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versuchten) Vergleichung entsprechend nicht einzusehen vermag, weshalb die kammförmigen Anhänge nicht dem zweiten Gliedmassenpaare entsprechen können, so stimme ich doch Packard vollständig bei, wenn er den Versuch, die Lungensäcke des Scorpions als die eingestülpten Kiemenblätter der vier letzten Gliedmassenpaare von Limulus aufzufassen, als reines Spiel mit haltlosen Annahmen betrachtet. In der That liefert uns diese höchst merkwürdige Speculation, die übrigens ihr Autor inzwischen[1] durch eine neue ersetzt hat, einen gerade nicht erbaulichen Beleg, zu welch’ „geistreichen“ Hypothesen, – welche dann zur Erklärung benutzt werden und im Werthe schliesslich zu „Beweisgründen“ emporsteigen, – eine zügellose Phantasie bei geringer Urtheilskraft den Morphologen irrezuleiten vermag.

Nicht besser steht es mit den Behauptungen bezüglich der Uebereinstimmung von Gehirn, Nervensystem und Augen in beiden Typen. Es wird von Packard als Irrthum nachgewiesen, wenn R. L. den Ursprung des die vorderen Extremitäten versorgenden Nervenpaares bei Scorpio vom Gehirn wie bei Limulus auf den Schlundring verlegt, und in gleicher Weise die Interpretation bestritten, welche R. L. zu Hilfe nahm, um die zerstreuten Einzelaugen des Scorpions mit dem seitlichen Facettenauge von Limulus homologisiren zu können.

Indessen ist hiermit die Reihe der Irrthümer und Trugschlüsse noch keineswegs erschöpft. Limulus besitzt, wie der Scorpion, eine supra- oder circummedulläre Arterie, welche von der Aorta ausgeht und die Speiseröhre umfasst. Kein Krebs, behauptet Ray Lankester, hat ein derartiges Spinalgefäss, folglich ist Limulus ein Spinnenthier. Ist denn aber der Autor so wenig auf dem Felde der Crustaceen orientirt, dass er von dem Gefässsystem der Isopoden keine Kenntniss hat, bei denen ein periösophageales Ringgefäss vorhanden ist, von der Aorta ausgeht und das Blut empfängt? In meiner Arbeit zur Kenntniss der Kreislaufsorgane der Schizopoden und Decapoden, Wien 1884, pag. 26, habe ich sogar wahrscheinlich gemacht, dass dieses Verhalten vielleicht auch bei den Stammformen der Thoracostraken das ursprüngliche war.


  1. A new Hypothesis as to the Relationship of the Lungbook of Scorpio to the Gillbook of Limulus. (Quarterly Journ. of Micr. Science, April 1885, pag. 339.) Dieser Artikel beginnt mit den Worten: „The view which I advocated in my essay „Limulus and Arachnid“, as to the mode of conversion of an internal lamelligerous appendage into the hollow lamelligerous lung of Scorpio no longer commends et self to me.“