Seite:Taras Schewtschenko. Ein ukrainisches Dichterleben. Von Alfred Jensen (1916).djvu/55

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Aber Schewtschenko, der von Natur aus optimistisch war, konnte in dieser düsteren Stimmung nicht immer verharren. Er fühlte sich noch jung, gleichwie dem Greis zuweilen „ein Hoffnungsstrahl in der Brust erglänzt und der holde Stern der Jugend über ihm schwebt“. Und warum? Der Dichter hat in einem Gedicht vom Kos-Aral hierauf selber die Antwort gegeben:

„Es kommt davon, weil er beschlossen
für jemand gutes Werk zu tun.
Ja – mag er nur! Denn glücklich jener,
der tief in seinem Herz und Sinn
das Gute nur verstand zu lieben.
Wie oft beglückt die Freude ihn
erblühend wie das Immergrün.
So nimmt in eine dunkle Höhle
die Sonne manchmal ihren Lauf
und sieh! Es blüht darauf im Dunkel
ein grünes Gräslein dankbar auf.“[1]

Derartige Pflanzen sprossen in der Dichtung Schewtschenkos auch an den sandigen Ufern des Aralsees hervor und verschönerten die trockenen kirgisischen Steppen. Er hatte immer eine unbestimmte Ahnung, nicht vergeblich gelebt zu haben; er fühlte, wie unsichtbare Ketten ihn mit seinen Landsleuten verbanden und er wußte, daß seine Lieder den weiten Weg zur Heimat finden würden.

„Mir wird die Verbannung leichter,
wenn ich sie schreib nieder,
die vom weiten Dnipró mir
gleichsam zufliegenden Heimatslieder.
Worte reihn sich aneinander
weinend, lachend, helle,
ganz so wie Kinder; sie
erfreun meine arme Seele
die vereinsamt ist … Und ich hab so
Trost auch Freud im stillen,
wie an Reichtums Füll’ der Vater
um der Kinder willen.
Froh und glücklich bet ich dann
zum allmächtigen Herrn,


  1. Übersetzt von Ostap Hrycaj.