Seite:Taras Schewtschenko. Ein ukrainisches Dichterleben. Von Alfred Jensen (1916).djvu/57

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namens Issajew hatte nämlich den Behörden in Orenburg die Anzeige erstattet, daß Schewtschenko in Zivilkleidern zu gehen pflege und das Verbot des Schreibens außeracht lasse. Ein derartiges Vorgehen bedurfte der strengsten Sühne!

Nach Orenburg zurückgekehrt, wurde denn auch Schewtschenko nach der am östlichen Gestade des Kaspischen Meeres gelegenen Aleksandrowschen oder Nowo-Petrowschen Festung transportiert. Das Nowo-Aleksandrowsche Fort war ursprünglich (1834) vom General Perowskij, Statthalter von Orenburg, am nördlicheren Busen Kajdak angelegt worden; zufolge der sumpfigen Umgebung wurde es aber im Jahre 1846 nach der Halbinsel Mangyschlak verlegt und seit 1857 Aleksandrowsk oder Nowo-Petrowsk genannt. Hier mußte Schewtschenko noch sechs Jahre verbringen. Das Häuschen, wo er wohnte, soll heute als – Damentoilette benützt werden.[1]

Bis zum Jahre 1850 war es Schewtschenko erlaubt, Briefe zu schreiben; er hatte sich insgeheim Papier und Bleistift zu verschaffen gewußt und Gedichte verfaßt, die in den Stiefelröhren oder sonstwo aufbewahrt wurden. Dann wurde ihm das Schreiben gänzlich verboten; erst nach 1856 durfte er wieder zur Feder greifen, doch nur unter strengster Kontrolle. Am schwersten traf ihn jedoch das Verbot des Zeichnens, zumal er sich als Künstler und Eleve der Kunstakademie gar nichts hatte zu schulden kommen lassen, „Dieses Verbot“ – heißt es in seinem Tagebuch – „raubte mir den besten Teil meines Lebens“, und an den General Dubelt, Chef der „Dritten Abteilung“, schrieb er: „Die Erlaubnis zum Zeichnen würde meine getötete Seele wieder beleben.“ Umsonst wandte er sich an den gutherzigen Zhukowskij. Auch die Fürstin Repnin war um ihn bemüht und versuchte, beim Grafen Orloff Linderung seiner Strafe zu erwirken. Der Graf ermahnte sie aber, sich nicht in die ukrainischen Angelegenheiten einzumengen, wenn sie sich

  1. Die sehr bescheidene Baumpflanzung, die einen Stadtpark vorstellen soll, trägt noch immer den Namen „Schewtschenko-Garten“.