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immer davon sprächen, und viele Eltern seien dadurch in Aufruhr gekommen und sagen, sie wollten keine Diakonissin, sie wollten eine Kindergärtnerin, die in der Schule nichts von Religion vorbringe. Die Schwester erklärte der guten Dame, die in Angst und Sorge um den Bestand der Schule geraten war, daß sie es für eine Verleugnung halten würde, mit dem Erzählen der heiligen Geschichten aufzuhören, und wenn es auch nur für eine Zeitlang sein sollte, so wüßte sie ja dann nicht, wann sie wieder anfangen sollte. Es kann nun wohl sein, daß die Schwestern weichen müssen. Vielleicht verläuft sich aber auch der Sturm. Jedenfalls ist dieses Vorkommnis ein Zeichen unserer Zeit, und auf der andern Seite ist uns bei dieser Gelegenheit die Bedeutung der unscheinbaren Kinderschulen recht vor die Seele getreten. Teile das doch Adolf mit.

 Marianne wohnt noch im Pfarrhaus. Frau Schröder ist fort, und Herr Verweser Fleischmann ist ins Missionshaus gezogen.

 Ich sehne mich sehr nach dem Ende unseres Provisoriums.

 Das Judenmädchen hat sich jetzt in Dittenheim verheiratet. Wir sollten zur Hochzeit kommen.

 Gott behüte Dich, meine liebste Mutter! Grüße Adolf und die Schwägerinnen aufs herzlichste.

Deine dankbare Tochter Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 3. Mai 1872

 ...Gestern waren wir ganz belebt von dem unerwarteten Besuch des Bischofs von Eichstätt. Er ließ sich überall herumführen, fragte nach allem und zeigte für alles ein ungewöhnliches Interesse und ein feines Verständnis. Er sagte, dieser Tag sei einer der schönsten seines Lebens gewesen. In der Paramentik hielt er sich besonders lange auf, aber auch den Herd in der Küche beschaute er von allen Seiten und beschloß, sich auch einen solchen zu verschaffen, und in den Hospitälern und in den Schulen – überall war er voll Liebenswürdigkeit und richtete eingehende Fragen an die betreffenden Personen.

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 204. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/206&oldid=2955136 (Version vom 20.11.2016)