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leben, wie ein Tagelöhner von einem Essen zum andern. Die morgende Stunde, wenn wir sie erleben, wird von der „Stellung des Christen zu der Welt“ handeln. Wie freue ich mich darauf! „Das wird für viele von Ihnen eine Entscheidung werden“, sagte Herr Pfarrer. – Wäre ich nur schon ganz los von allem Irdischen! Jesum allein soll mein Herz suchen und begehren. Jesus, nichts als Jesus soll meine Seele wünschen.

 Ich befehle Sie, teure Mutter, dem Schutze des treuen Gottes und bin

Ihre dankbare Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 21. August 1856

 Herzlich geliebte Mutter, der Friede Gottes sei mit Ihnen!

 ...Nun möchte ich Ihnen einiges über meinen Beruf schreiben, denn es ist mir eine süße Freude, davon zu reden. Nach dem Entwurf eines Stufenganges, den uns Herr Pfarrer neulich vorgelesen, soll die erste Stufe einer werdenden Diakonissin die sein, daß sie die Lehrerin einer Kinderschule wird, wenn sie die Hausarbeiten schon kann; versteht sie diese noch nicht, so soll sie sich als Magd auf einige Zeit verdingen. (Dazu hätte ich große Lust, wenn sich dazu Gelegenheit böte; ich könnte ja zu Ihnen oder zu Ida als Magd gehen.) Auf der dritten Stufe wird sie an einem Rettungshaus verwendet, und die höchste Stufe ist die, wenn sie als Gemeindediakonissin wirkt und da, wie es in den alten Zeiten war, die rechte Hand des Pfarrers ist. Dieser als Hirt und Wächter der Herde kann sich nicht so viel mit den Einzelnen beschäftigen. Dazu ist nun die Diakonissin da. – Ist das nicht ein herrliches Ziel? Könnte ich doch mit Ihnen, liebste Mutter, mehr davon reden! Könnte ich Ihnen recht viel erzählen von dem herrlichen Unterricht, den wir gegenwärtig über „geistliche Krankenpflege“ haben! Da wird uns ein neuer, nie gekannter Weg gezeigt, auf Kranke heilend einzuwirken. Weil die Seele so eine mächtige Einwirkung auf den Leib hat, so werden geeignete Seelenbewegungen einen wohltätigen, heilenden Einfluß auf den Leib, d. h. auf die Krankheit ausüben. Um aber solche Seelenbewegungen zu erzeugen, hat der Christ kein anderes, kein sichereres und höheres Mittel als das Wort Gottes.

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 45. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/47&oldid=2917131 (Version vom 17.10.2016)