Seite:Unter den Muka Lari-Zwergen.pdf/19

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

So auch jetzt. Doch Pinkemüller, der vielleicht noch kleiner als der Knirps war, fuhr ihm heute ziemlich grob über den Schnabel.

Da – gerade als der Doktor das Wort „Angsthase“ ausgesprochen hatte, sauste urplötzlich ein wahrer Steinhagel auf die Stelle herab, wo die fünf lagerten. Es waren keine großen Steine, mehr runde Kiesel, aber dafür kamen sie mit einer Kraft angeflogen, die einen Treffer durch diese Geschosse höchst gefährlich machte. Und ausgerechnet war es nur der Knirps, dem einer der Kiesel gegen den linken Oberschenkel schlug.

Knirps brüllte vor Schmerz auf. Da kam auch schon der zweite Steinhagel. Pfeifend sausen die harten Geschosse vom Ende des Kessels herab, prallten klatschend hier und dort auf, erreichten auch insofern ihr Ziel zum Teil, als die weiter hinter lagernden Reittiere mit verschieden dieser Geschosse Bekanntschaft machten und darob sehr unruhig wurden.

Bei alledem war leider nichts von den Angreifern selbst zu sehen. Aber daß sie droben am Rande der Felsenmulde versteckt waren, bewies schon Treffs Verhalten, der am liebsten vorwärtsgestürmt wäre, um einem der unsichtbaren Feinde an die Kehle zufahren. Dem Doktor gelang es nur schwer, ihn zurückzuhalten. Jedenfalls war dieser Überfall recht kritisch. Niemand durfte sich aufrichten, da er sonst ein nur allzu bequemes Ziel geboten hätte.

„Der Gegner besitzt Steinschleudern“, flüsterte der erfahrene Doktor. „Beduinen sind’s nicht. Die führen sämtlich Feuerwaffen. Es können daher nur Zugehörige jenes Volkes sein, das hier in den Bergen wohnen soll.“

Der Feind richtete seinen Geschoßhagel jetzt ausschließlich auf die Tiere. Zwei der Maulesel rissen sich los und rannten in dem Kessel wie toll umher. Der Knirps begann wieder zu jammern, und Ali Mompo schalt in seinem „schönsten“ Deutsch auf „die schlechte, feige Feind, der sich nicht tun wolle zeigen.“

Die Maulesel und die Dromedare hatten sich jetzt sämtlich losgerissen und jagten in dem nicht allzu großen, länglichen Felskessel hin und her, drohten den Lagerplatz

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Unter den Muka Lari-Zwergen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Unter_den_Muka_Lari-Zwergen.pdf/19&oldid=- (Version vom 1.8.2018)