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daß wir nicht mithelfen konnten, diese Herren Wüstenbewohner mit blutigen Köpfen heimzuschicken.“

Kürze-Würze murmelte etwas vor sich hin, das nicht gerade schmeichelhaft für den Knirps war, nahm Tümmler die einzige Schußwaffe, über die die drei verfügten, einen Karabiner, ab und sagte:

„Wartet! Bin bald wieder da.“

Mit langen Schritten tauchte er in der grauen Dämmerung unter, indem er genau die Richtung einhielt, in der die Schüsse vorhin gefallen waren. Er brauchte nicht lange zu marschieren. Nach kaum drei Minuten wuchsen vor ihm aus dem Sande eine Menge Felsblöcke heraus, die sich zu einem kleinen Hügel auftürmten. Jetzt hielt er es doch für ratsam, nicht gerade in aufrechter Haltung weiter vorzudringen. Obwohl er noch vor nicht allzulanger Zeit in Bombay in Vorderindien nur einen Kontorschemel als vielbenutztes Reittier gekannt hatte, verstand er sich doch ganz gut darauf, an die Felsgruppe sich anzupirschen, indem er auf Händen und Füßen weiterkroch, wobei er stets ein paar der stellenweise hier wuchernden Ginstersträucher als Deckung benutzte.

Plötzlich duckte er sich dann ganz zusammen. Er hatte vor sich eine Gestalt bemerkt, die wie er auf allen Vieren über den Sand weiter rutschte, – fraglos ein Beduine, der jedoch von den Felsen weg in die Wüste hinein zu entkommen suchte.

Der Beduine sah ihn nicht und verschwand. Da erst wagte Emil Kurz sich weiter vor. Nun hatte er die ersten Steinblöcke erreicht, machte halt und lauschte. Es war ihm so gewesen, als ob da rechts von ihm ein zweiter Beduine sich kriechend davonmachte. Und jetzt hörte er auch etwas: ein geradezu unheimlich klingendes – weil es in dieser Einöde und Stille laut wurde – höhnisches Kichern. Es kam fraglos von einem gut drei Meter hohen Steinblock herab, der, eine Laune der Natur! wie ein riesiger, unregelmäßiger Würfel auf drei spitzen, gut anderthalb Meter emporragenden Felsstücken ruhte, so daß man darunter hindurchsehen konnte.

Und jetzt abermals ein seltsamer Ton …! – Kürze-Würze spitze geradezu die Ohren vor Staunen …, –

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Unter den Muka Lari-Zwergen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Unter_den_Muka_Lari-Zwergen.pdf/8&oldid=- (Version vom 1.8.2018)