Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/189

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49.

Die Ludki lebten von Kräutern. Sie brachten den Landleuten, welche keinen Weihrauch oder Myrrhen in ihrem Hause hatten, Schaden. Die Gefässe, deren sie sich bedienten, fertigten sie aus Thon und Lehm an. Wer Weihrauch und Myrrhen in seinem Hause hat, dem kann es geschehen, dass er bei dem Umgraben seines Ackers Ludki-Gefässe findet.

Pritzen.     
50.

In Senftenberg befindet sich eine Schmiede, welche man die Koboldschmiede nennt. Sie hat davon ihren Namen, dass in derselben früher Ludki ihr Wesen getrieben haben. Wenn nämlich der Schmied eine Arbeit angefangen und sie am Abend unvollendet hatte liegen lassen, so war stets dieselbe am nächsten Morgen fertig. Der Schmied wollte gern wissen, wer seine nächtlichen Helfer wären. Deshalb stellte er sich in einer Nacht hinter der Thüre, welche zur Schmiede führte, auf und lugte durch das Fenster. Da sah er zwölf Ludki, welche sich an die Arbeit machten und so darauf losschlugen, dass das Werk in kurzer Zeit fertig war. Die Ludki waren nackt: das dauerte den Schmied. Er liess deshalb zwölf Anzüge fertigen und sie den Ludkis hinlegen. Allein er fand am andern Morgen die Anzüge unberührt liegen, die Ludki aber haben sich in der Schmiede nie wieder gezeigt.

Senftenberg.     
51.

In der Nähe von Byleguhre lag früher ein ziemlich hoher Berg, welcher aus schönem, weissem Sande bestand. Man erzählt, dass in dem Berge die Ludki gewohnt haben. Als man den Berg abfuhr, fand man auch wirklich eine grosse Menge von kleinen Krügen, Thränennäpfchen, sowie kleine Gefässe mit Henkelchen und Deckeln, in den Gefässen aber lagen Knochen. Daraus konnte man ersehen, was die Ludki früher für Gefässe gehabt haben.

Byleguhre.     
52.

Die Ludki, welche auf dem Jannoberge bei Byleguhre wohnten, zahlten ganz kleine Geldstücke für die Geräthe,