Seite:Versluys Abstammung und Differenzierung Gigantostraken.djvu/11

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wirkliche Stammform der Arachniden sein. Es fehlen ihm die freien hinteren Thoraxsegmente der Solifugen, Palpigradi und Schizonotidae; das Prägenitalsegment ist zu rudimentär; die Mundöffnung liegt zu weit nach hinten, die vorderen Sterna sind zu weit rückgebildet, das Endosternit ist zu kompliziert, die Augen sind von einem viel zu hoch differenzierten Typus, usw. Die Solifugen sind wesentlich primitiver im Bau aller dieser Organe und auch die Palpigradi stehen auf einer viel tieferen Entwicklungsstufe als die Skorpione. Hier versagt die Lankestersche Theorie vollkommen.


Eine wesentliche Schwierigkeit könnte unserer Auffassung von der Abstammung der Merostomen von Landarachniden nun aber entstehen, wenn eine Verwandtschaft der Merostomen mit Trilobiten oder anderen Krustazeen nachgewiesen wäre. Lankester hat diese angenommen. Hält man hieran fest, dann wird es allerdings schwer die Merostomen von Landarachniden abzuleiten, weil dann die Krustazeen von den Merostomen abstammen müßten (man vergl. Jaworowski, 1894). Daran kann aber nicht gedacht werden, weil die Crustacea von ursprünglicheren und ganz anders gebauten Arthropoden abgeleitet werden müssen, als die Merostomen es sind, denen Antennen und abdominale Gliedmaßen fehlen.

Es ist aber ein Irrtum, eine direkte Verwandtschaft der Merostomen und Krustazeen als feststehend anzunehmen. Eine solche ist keinesfalls erwiesen. Die Anhänger einer Abstammung der Merostomen von Krustazeen (Trilobiten) haben wohl immer erwartet, daß Übergangsformen noch einmal gefunden werden würden. Dies ist bis jetzt nicht gelungen. Walcotts Beschreibung (1881) Merostomen-artiger Gliedmaßen bei Trilobiten hat sich bekanntlich als falsch herausgestellt. Und seine neuerdings (1911, 1912) beschriebenen cambrischen Ordnungen Limulava und Aglaspina, die primitive Merostomen sein sollen, deren Gliedmaßen auch denen der Krustazeen nahe stehen, sind zweifellose Krustazeen (dies ist auch die Ansicht von Raymond, 1920, während Clarke & Ruedemann, 1912 sich gleichfalls sehr vorsichtig über die Verwandtschaft dieser Tiere mit den Merostomen aussprechen), die keine wesentlichen Charaktere mit den Merostomen gemeinsam haben. Man muß hier wohl beachten, daß Krustazeen und Arachniden (inkl. Merostomen) zwei divergente Anpassungstypen der Arthropoden darstellen. Bei den Krustazeen passen sich die Gliedmaßen des 2. Körpersegmentes als 2. Antennen der Tastfunktion an (die 1. Antennen sind wohl schon bei den Stammformen aller Arthropoden als

Empfohlene Zitierweise:
Jan Versluys: Die Abstammung und Differenzierung der Gigantostraken. Gebrüder Borntraeger, Berlin 1923, Seite 302. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Versluys_Abstammung_und_Differenzierung_Gigantostraken.djvu/11&oldid=- (Version vom 1.8.2018)