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nahe gestanden haben müssen, an (unter) dem Hinterrande der Sternite lagen, nicht in den Sterniten, wie es bei den Skorpioniden der Fall ist (Fig. 1 A, S). Diese Lage unter dem Hinterrande der Sternite versteckt findet man aber bei anderen Arachniden, bei den Pedipalpi und den Araneae theraphosae. Das Fehlen jeder Andeutung von Stigmata in den Sterniten bei paläozoischen Skorpioniden (Petrunkevitsch 1913; Pocock 1911), besonders auch bei den gut erhaltenen Sterniten von Palaeophonus hunteri (Pocock 1901) macht eine solche Lage auch für die primitiven Skorpioniden wahrscheinlich[1]. Die Figur 3 zeigt, wie leicht bei einer Lage der Stigmata unter dem Hinterrande der Sternite durch Vergrößerung der Buchtracheen die Sternite in bewegliche Platten umgeändert werden konnten, auf deren Hinterfläche die Atmungsorgane liegen.

Das Ergebnis dieser Betrachtung ist, daß die Atmungsorgane und das Landleben der Skorpioniden ursprünglicher sind, als die Kiemen und das Wasserleben der Merostomen.

Für eine Änderung des Mediums müssen vielfach auch die höheren Sinnesorgane empfindlich sein. Bei den Merostomen und Skorpioniden ist offenbar der Bau der Augen vom Medium beeinflußt worden; denn diese Sinnesorgane sind bei beiden recht verschieden gebaut (Demoll, 1914, 1917; Versluys & (Demoll, 1920, 1921 und 1922). Bei Prüfung der Verhältnisse zeigt es sich, daß es nicht gelingt, die Augen der Skorpioniden aus denen der Merostomen (Limulus) abzuleiten (vergl. Fig. 4). Der Mediumwechsel kann nicht den Anlaß zur Umbildung der Facettenaugen der Merostomen zu der Gruppe von Lateralaugen der Skorpioniden gegeben haben, die damit homolog ist; denn ein Facettenauge sieht ziemlich gleich gut auf dem Lande wie unter Wasser, und die Auflösung in eine Gruppe von Lateralaugen würde eine Verschlechterung des Gesichtsvermögens bedeuten. Aus dem Linsenauge von Limulus würde auch niemals das kompliziert gebaute Hauptauge der Skorpione hervorgehen können; man hat sie zwar wegen der ähnlichen Lage miteinander homologisiert, aber nähere Untersuchung hat einen so prinzipiellen Unterschied im Bau aufgedeckt, daß eine Umbildung der Hauptaugen zu den Linsenaugen oder umgekehrt unmöglich erscheint (Demoll 1914, 1917; bestätigt wurde dies durch die Entdeckung von Holmgren, 1916, p. 110, daß die Innervierung von verschiedenen Abschnitten des Gehirnes ausgeht). Es gelingt nicht, die von der Lankesterschen Theorie verlangte Umbildung der Augen von Limulus in


  1. Es liegt gar kein Grund vor, diesen Skorpioniden, wie es für Palaeophonus geschehen ist, den Besitz von Atmungsorganen abzusprechen; die Tiere sind dazu zu groß.
Empfohlene Zitierweise:
Jan Versluys: Die Abstammung und Differenzierung der Gigantostraken. Gebrüder Borntraeger, Berlin 1923, Seite 298. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Versluys_Abstammung_und_Differenzierung_Gigantostraken.djvu/7&oldid=- (Version vom 1.8.2018)