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bis Sonnenaufgang. Die Dunkelheit der Nacht verbarg die Thürme und erhob das Feuer, das auf ihnen helllodernd brannte; so wie oft den Grund, auf dem sich im Menschenleben die glänzendsten Erscheinungen erheben, dicke Finsternis versteckt. Wie Meteore schienen die Flammen in freyer Luft zu hängen, und warfen auf die zum Fischfange ausgeruderten Böte, rothe, zitternde Lichtstreifen herab, die sich weit in der nur von kleinen, kreiselnden Wellen bewegten See verloren. Es war ein schöner Abend in der Mitte des Augustmonats, und die Kühle der See ließ uns ein am Ufer angezündetes Feuer, bey dem wir Zuschauer der Fischerey standen, und das fleißig unterhalten wurde, nicht empfinden. Leise schlugen die Wellen an die Küste; wie das Rauschen der Bäume, die ein sanfter Wind bewegt, tönte die Brandung und verhallte in der Ferne.

Ich werde nie den herrlichen Abend vergessen, wo Genuß der Freude im gesellschaftlichen Umgange, mit stiller Wehmuth und Rührung im Anblick der prächtigsten Naturscenen in meiner Seele rangen.

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Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 214. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/225&oldid=- (Version vom 7.4.2019)