Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/335

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Frieden ruhenden Harfe wieder einmal kriegerische Akkorde zum Lobe der Thaten seiner Nachkommen entrauschen konnten!

An großen ebräischen Festtagen ist ein Gang nach der ziemlich geräumigen Synagoge nicht uninteressant. Die hohe Andacht, mit der fast jeder Ebräer betet, und die, einer ganzen zahlreichen Versammlung mitgetheilt, über jede Religion eine Himmelsglorie verbreitet, bleibt immer rührend, und eine Thräne des Entzückens, der Begeisterung und des Dankes erhebt das fühlende Herz, sie mag nun aus einem zum Himmel gerichteten Auge auf einen langen Bart oder auf ein Ordensband fallen. In dem Chore, wo die Weiber von den Männern getrennt sitzen, habe ich diese Andacht bey weitem nicht so bemerkt. Die weltlichen Gedanken der Weiber schimmern hier aus ihren auf der Brust herabhängenden Goldmünzen und Korallen hervor. Eine von diesen Damen fiel mir, ich weiß nicht mehr an welchem Festtage, besonders auf. Denn die Menge Goldmünzen, die wie Schellen um sie herumhingen, waren alle merklich stark beschnitten. Einem

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Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 322. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/335&oldid=- (Version vom 28.4.2019)