Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/336

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geharnischten Holländer fehlten die Füße und die Schwertspitze; ein paar große Herren hatten auf den Münzen, die ihr Bild und ihre Überschrift trugen, den halben Hirnschädel verloren; andern war das Auge durchbohrt. Welche christliche Dame würde es gelitten haben, ihren Schmuck so verkleinert zu sehen? Man müßte denn annehmen, daß die jüdischen Damen diese Beschneidung nur aus Religionseifer gestatten, in der Überzeugung, daß durch dieses Arrondissement nichts Wesentliches verloren gehe. Doch wir verlassen die Kinder Israel für jezt. Ich brauche nur ein paar Schritte aus diesem Tempelchen Salomonis zu treten und die herrlichste Aussicht zeigt sich meinem Auge. Heller als rosenrothe und purpurfarbene Seide, glänzender als die Flügel der Cherubim auf der verlornen Bundeslade des alten Glaubens, fällt der Sonnenstrahl auf den Ausfluß des Tebberbachs, der in einer engen Kluft zwischen ein Paar auf der Gegenseite mit schönem Laubholze bewachsenen Bergen, wie ein helles blaues Auge in einer freundlichen Stirne, liegt. Noch eine weit

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 323. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/336&oldid=- (Version vom 28.4.2019)