Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/451

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Ein zweyter angenehmer Spaziergang ist der am Kanal vor dem Doblenschen Thore, obgleich der Weg außerhalb der Stadt bis dahin, besonders für Fußgänger, und vollends wenn es geregnet hat — wie der Weg zur Tugend— ziemlich schlüpfrig ist. Ist man aber einmal an Ort und Stelle, so wandelt man im Schatten hoher Weiden und Erlen neben dem Kanal fort, der im heißen Sommer doch immer noch Wasser genug aufbewahrt, um dem Spaziergänger an seinen Ufern sanfte Kühlung zu gewähren. Mehrere niedliche Landhäuser, oder, wie sie hier heilsen, Höfchen, von Gärten und den schönsten Wiesen umringt, geben einen angenehmen Anblick. Dieser Spaziergang endigt sich bey dem sogenannten Dammwächter, einem Wirthshause, das aber größtentheils nur von der niedern Klasse der Einwohner Mitaus besucht wird.

Hier am Kanal liegt auch das Höfchen, welches der verstorbene Professor der Beredsamkeit und reformirte Prediger zu Mitau, Tilling, besaß. Als Kanzelredner verdiente Tilling gewiß den großen Ruf, den er hatte, und war überhaupt ein Mann von seltnen Talenten und Kenntnissen, und als Mensch durfte er gewiß eben so auf Schonung und Mälsigung Anspruch machen, als viele seiner wüthendsten Gegner, deren er wie jeder Mann von Talent so viele hatte. Der Ton seiner kraftvollen Stinme, die

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Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 436. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/451&oldid=- (Version vom 19.5.2019)