Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/42

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strich maskiert hinter den Frauen durch die Stadt. Aber seine Räte hatten ihn begleitet, und auch Gesandte des Kaisers sowie des Herzogs von Burgund waren anwesend. Ein weiter politischer Horizont öffnet sich neben den Festen des Herzogs; es war wieder von einer burgundisch-österreichischen Heirat die Rede wie vor hundert Jahren, und vielleicht wurde auch schon der Gedanke einer Übergabe der Vorlande an Burgund berührt. Jedenfalls aber kam das Schuldgeschäft mit Basel zu einem Abschluß.

Gezahlt waren im ganzen neuntausend Gulden; zu den noch geschuldeten siebzehntausend kamen die viertausendeinhundert aus dem Tiersteiner Vertrag. Die Sache stand so, daß endlich einmal etwas geschehen mußte, und als das geeignetste[WS 1] Mittel für Befriedigung Basels bot sich neuerdings eine Verpfändung Rheinfeldens dar.

Basel hatte mit Farnsburg auch Leute und Rechte in Frick erworben, mit Zunzgen auch Leute und Rechte in Wittnau; dieser Besitz im Bereiche der Herrschaft Rheinfelden gab unaufhörlich Anlaß zu Streit. Hiezu traten die alten Farnsburger Grenzhändel wegen Anwils usw. In Betracht kam ferner, daß bei allen diesen Auseinandersetzungen Basel nie mit der Herrschaft Österreich selbst zu verhandeln bekam, sondern sich an die Rheinfelder Pfandherren zu wenden hatte, an Heinrich von Klingenberg, dann Marquard von Baldegg, dann Marquard von Schönenberg. Endlich das Vorhandensein der „freien laufenden Knechte“ in Rheinfelden. Sie waren von der Art jener damals allenthalben sich zeigenden, aus den Fehden übriggebliebenen und auf Werbung wartenden oder auch spontan neu zusammentretenden Freischaren. Diese gingen in merkwürdiger Weise der offiziellen Politik auf eigene Faust voran, wobei im Falle des Gelingens ihre Obrigkeit das, was sie bewirkt hatten, zu dem Ihren machte, im Falle des Mißlingens aber sie desavouierte. Eine solche Bande waren auch die Rheinfelderknechte, mit denen Basel damals oft zu tun bekam. Sie streiften in den Sisgau und belästigten hier den Verkehr, während sie in der Rheinfelder Herrschaft selbst das stets bewegliche Werkzeug der Opposition gegen Basel waren. Zu Zeiten traten ihnen bei Basel und bei den Eidgenossen Scharen gleicher Art gegenüber, und das Unternehmen einer solchen war der vielbesprochene Anschlag aus Rheinfelden am 15. Dezember 1464. Der Plan war, die Stadt vom Rheine her nachts zu überfallen; Berner und Basler hatten sich hiefür, offiziell ohne Willen der Räte, zusammengetan und einen Rheinfelder dazu gewonnen, daß er ihnen das Törlein öffne. Aber der Handstreich mißlang, aus Schuld der Basler, wie nachher die Berner behaupteten; als dann der Herzog und die Rheinfelder wegen dieses Friedensbruches

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: geeigneste
Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/42&oldid=- (Version vom 1.8.2018)