Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/492

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hier wieder: die Stärke und Wichtigkeit der Einwanderung. Die Basler Maler werden uns großenteils bekannt aus dem Bürgerbuch und den Eintrittsröteln der Zünfte, als Hereinwandernde; und jedenfalls erweisen sich die wirklich Namhaften, durch bestimmte Leistungen Charakterisierten fast durchweg als Ankömmlinge. Nicht vom Westen etwa kommen sie; kein einziger Wälscher, kein Burgunder findet sich unter den Basler Meistern. Die Wirkung französischer flandrischer Kunst wird geholt, nicht gebracht. Um so geschlossener erscheint die Zuwanderung aus Schwaben und Franken. Wir erhalten aufs neue die Vorstellung einer ganz wunderbaren Produktivität jener Städte und Städtlein, der die Fähigkeit zum Verbrauche bei weitem nicht entsprach. Daß aber so Viele gerade nach Basel kamen, wie einem von Geschlecht zu Geschlecht weiter gehenden Ruf oder Triebe folgend, ist ein starkes Zeugnis für den Ruhm unsrer Stadt und ihrer Kultur. Nicht nur daß hier ein immenser Verkehr unter seinen Passanten und Kauflustigen auch die Großen aller Welt durchführen konnte; in der Stadt selbst wohnte der Reichtum und die Freude an Schmuck und Behagen des Lebens. Ganz unbestreitbar offenbarte sich eine bestimmte Richtung, ein starker Sinn für bildende Kunst, der z. B. dem alten Zürich in ebenso auffallendem Maße fehlte.

Unter diesen Voraussetzungen bildete sich hier die Künstlergemeinde der Maler, die wir in der Himmelzunft und der Bruderschaft von St. Lucas beisammen finden. Durch Verwandtschaft Vormundschaft Bürgschaft Nachbarschaft mannigfach verbunden, bei Einzelnen die künstlerische Kraft durch mehrere Generationen vorhaltend und auch die Künste des Goldschmieds Schnitzers Glasmalers beherrschend. Diese Meister nennen sich uns in großer Zahl bei Hauskäufen und andern Geschäften, selten in bestimmt erkennbarer, künstlerischer Tätigkeit. Nur Weniges tritt hervor.

Von Hans Tiefental aus Schlettstadt vernehmen wir die Erneuerung des am Rheintor gemalten Reiterbildnisses 1420 und das berühmte Beispiel der Dekoration der Elendenkreuzkapelle 1418. Beide Arbeiten im Auftrage des Rates geschehend. Zahlreichere Werke werden dem Tübinger Lawelin Rüsch zugeschrieben: ein Gemälde in Farben und Gold am neuen Spalentor 1408, die Bemalung des heiligen Georg auf dem Münster Platzbrunnen 1426 und des heiligen Christoffel auf dem Kornmarktbrunnen 1427, ein Gemälde am Spalenschwibogen 1428, ein Madonnenbild an der Nordwand des Münsters beim Bischofsstuhl 1429, eine Kreuzigung und vier andere Figuren am Steinentor 1430, ein Gemälde im Innern des Kornhauses 1441, eine Madonna mit den beiden Johannes in der Karthause

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 471. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/492&oldid=2955203 (Version vom 20.11.2016)