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der Herzogin von Mailand geschlossenen Frieden. Wenige Jahrzehnte später sodann stellen Einträge des Kaufhausbuchs uns noch einmal die ganze Fülle dieses Basler Durchgangsverkehrs zusammengefaßt vor Augen. Sie handeln von den Abmachungen des Basler Rates mit zahlreichen italiänisch-niederländischen und schwäbischen Speditionsgesellschaften, denen er Zollermäßigung gewährt gegen die Verpflichtung zur Einkehr in Basel. Wie der Verkehr mit Italien, ein Lebenselement Basels, im XIII. Jahrhundert die Lampartergasse und die Mailänderhöfe geschaffen, so scheint diese spätere Periode ihr Denkmal zu haben im Hause zum Venedig am Schlüsselberg. In Genf errichteten die zu den Messen kommenden Florentiner eine Kapelle an der Rhonebrücke, und der Gedanke liegt nahe, in dem Basler Hause, das Namen und Wappen der Republik von San Marco trägt, das Quartier der venezianischen Meßkaufleute zu sehen. Es ist an der Straße gelegen, welche die beiden Orte der Messe, das Kaufhaus und das Tuchhaus zur Mücke, verband; in den 1470er Jahren war es im Leibgedingsbesitz jenes großen Kaufmanns Claus Gottschalk, der mehr als irgend ein andrer Basler der Zeit mit Venedig Geschäfte machte.


Hier ist auch Genfs zu gedenken, das bis zum Aufkommen Lyons durch seine Messen ein wichtiges Zentrum des Handels zwischen Oberdeutschland Frankreich und Italien war; seine Bedeutung konnte derjenigen Brügges verglichen werden. Dem entspricht seine Stellung in den Basler Handelsakten. Der Verkehr Flanderns mit diesem großen internationalen Markte ging über Basel; daneben trat das eigene Basler Geschäft. Und zwar zeigen sich uns seit der Mitte des XV. Jahrhunderts diese Beziehungen viel häufiger als vorher; wir dürfen vielleicht auch hiebei an Wirkungen des Konzils denken, an Berührungen mit der savoyisch-genferischen Anhängerschaft des Papstes Felix, die damals gewonnen worden waren. Diese kommerziellen Interessen wirken auch in Handel hinein, wie den der Brüder Goldschmied, der früher genannt worden ist. Der Herzog von Savoyen, um das Gedeihen der Genfer Messen bemüht, verhieß den baselischen Kaufleuten samt Faktoren und Helfern 1456 sicheres Geleite für diese Messen und sein ganzes Gebiet zu freier Ausfuhr wie Einfuhr; und 1498 warb er wieder nachdrücklich um die Beschickung des Genfer Marktes, worauf Basel das Erscheinen seiner Kaufleute zusagte; es war schon die Zeit, da die mächtige Konkurrenz der Lyoner Messen auf Genf drückte.


Diesen Nachweisen allgemeiner Direktionen und Zusammenhänge eine Schilderung der überreichen Einzelheiten folgen zu lassen, ist unmöglich.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 517. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/538&oldid=- (Version vom 20.11.2016)