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und den Eidgenossen vermitteln solle; der Waffenstillstand, der am 9. Juni 1459 zu Konstanz geschlossen wurde, war zum Teil sein Werk. Und so finden wir auch in den folgenden Monaten und nach der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen neben den fürstlichen Räten stets auch die Gesandten Basels, Bärenfels Flachsland Bremenstein Iselin, als kluge Unterhändler und Beschwichtiger tätig, zuletzt beim Abschluß des Friedens am 1. Juni 1461.

Von Interesse ist auch das Verhalten der beiden Parteien diesem Eingreifen Basels gegenüber. Auf der eidgenössischen Seite stehen da neben der Annahme der unbeteiligten Mediation abweichende Äußerungen einzelner Orte, wie Berns und Solothurns; diese verlangen für den Fall eines Kriegszugs in den Sundgau, daß der Rat ihnen die Stadt öffne und Belagerungszeug leihe. Auf der andern Seite bezeugt Österreich dem Rate seine Befriedigung darüber, daß es sich so ernstlich bemühe, und dringt auf fernere neutrale Haltung Basels. Beiden antwortet der Rat dasselbe: ihm sei all dieser Hader in Treuen leid; er sehe lieber Frieden als Unfriede; komme es gleichwohl zum Kriege, so möge man die Seinigen schonen.

In der Hauptsache war die Haltung Basels gegeben durch sein Verlangen nach Ruhe im Lande, aus wirtschaftlichen Rücksichten. Ein weiterer Grund dieser Politik mochte sein, daß Basel nicht die Eidgenossen am Oberrhein eine Stellung erringen lassen wollte. Entweder Beibehaltung der jetzigen Territorial- und Herrschaftsverhältnisse in diesen Gebieten oder aber Änderung nur zu Gunsten Basels. Mit den dieser Tendenz entgegenwirkenden Unternehmungen Solothurns hatte Basel seit Jahrzehnten zu schaffen; bald sollte es die ganze Eidgenossenschaft in derselben Richtung sich bewegen sehen.

Aber die Stellung des Vermittlers war unerfreulich, weil sie ihm gelegentlich vom einen wie vom andern Teil Vorwürfe und Verdächtigungen zuzog, und jedenfalls sehr schwierig. In vollem Maße hatte Basel, wie es die mächtigen Vorteile seiner Lage genoß und nützte, auch ihre Nachteile zu empfinden. Es war ein Prellstein nach jeder der beiden Seiten und bedurfte nicht nur der Klugheit und schärfster Wachsamkeit, sondern namentlich auch einer beständigen Sammlung aller Kräfte, um Stößen zu begegnen.

In diesen allgemeinen und dauernden Zuständen, zu denen dann die zahllosen Einzelhändel traten, war die Gebundenheit Basels begründet, sein Fernbleiben z. B. von Reichstagen, das Zögernde seiner Politik überhaupt.

Alles dies findet seinen Ausdruck in einer nie nachlassenden Arbeit der Regierenden und in steten Bemühungen um Kriegsbereitschaft.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/60&oldid=- (Version vom 5.7.2016)