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der in der Landvogtei neu eingeführten Steuer. Als dann Hagenbach diese Steuer auch in den Waldstädten eintreiben wollte und zugleich eine Aufhebung der Munizipalverfassungen ankündigte, brach hier der offene Widerstand aus; gleich darauf rächte sich Neuenburg für Übergriffe Hagenbachs durch einen Zug nach Ottmarsheim, wobei der Landweibel erschlagen wurde. Breisach plante eine Erhebung; Ensisheim, der Sitz der Regierung selbst, war dieser als rebellisch bekannt.

Währenddessen vollzog sich auf der andern Seite die besonnene Bildung einer gegen den Landvogt und seinen Herrn gerichteten Koalition.

Die ersten Ansätze zu dieser erkennen wir in der Verständigung Basels mit Straßburg Colmar Schlettstadt, die im Februar 1473 stattfand, greifbarer in der Abrede vom 19. März 1473; hier werden außer den vier Städten auch die Bischöfe von Basel und Straßburg und der Markgraf von Nieder-Baden als Mitglieder in Aussicht genommen. Sodann die Vereinbarungen im Dezember 1473 zu Basel und am 13. Januar 1474 sind weitere Stufen in der Entwicklung des Projektes. Als ihr Wesentliches steht fest, daß es sich um ein Bündnis der genannten vier Städte und zwei Bischöfe, „der mächtigsten Reichsstände am Oberrhein“ handelt, das geschlossen wird zu gegenseitigem Schutze gegen das burgundische Regiment. Das war die Niedere Vereinigung. An einer förmlichen Organisation fehlte es ihr noch; zu einer solchen kam es erst im April 1474, bei Anlaß des Beitritts von Herzog Sigmund.

Da wird ausgesprochen, daß die Glieder der Vereinigung sich zusammengetan haben dem heiligen Reiche zu Ehren, der deutschen Nation zu Hilfe und Förderung, zu gemeinem Frieden Nutz und Notdurft ihrer Lande. Es ist ein Bund alter Art, den großen Landfrieden des vierzehnten Jahrhunderts ähnlich, mit dem Gelöbnis gegenseitiger Hilfe im Falle der Not. Der Bund hat Geltung für das ganze Gebiet vom Hagenauer Forst bis zum Jurablauen und von den Vogesen zum Schwarzwald samt dem Bereich der vier Waldstädte. Burgund wird gar nicht genannt. Aber Anlaß und Absicht der Vereinigung war die Zurücknahme der an Burgund verpfändeten österreichischen Lande und deren Sicherung.

Dies war auch in der Tat das Einzige, was die Liga zusammenhielt. Wie fremd waren sich doch Basel und die Elsässer Städte geworden! Jetzt suchte man die alte Form einer solchen Landfriedenseinigung wieder hervor. Aber was schon ehedem ihr Mangel gewesen, die Ungleichartigkeit der Föderierten, das wirkte heute noch viel stärker. Mächtig hatte sich die Eigenart jeder Stadt entwickelt, und es mußte schon etwas Großes sein,

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 69. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/90&oldid=- (Version vom 5.7.2016)