Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/344

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Viele in deutscher Sprache, in einem Deutsch von wunderbarer Klarheit Kraft und Wärme. Und wir versuchen uns die Wirkung dieser Worte, die in tausendfacher Wiederholung nun über die Welt hin gingen, klar zu machen. Zum Gewissen und zum Verstande jedes Einzelnen, auch des kleinen Mannes, redete Luther. „Durch die Schuld der Buchdrucker weiß schon jeder Ungelehrte von dem lutherischen Handel, und die alten Weiber reden davon auf der Gasse,“ bemerkte Fabri.

Unmöglich konnte die Kirche der Sache den Lauf lassen. In der Bulle vom 15. Juni 1320, dann im Wormser Edikt vom Mai 1521 wurde die öffentliche Verbrennung der Schriften Luthers befohlen; es war ein Gebot, demzufolge in Mainz Köln Löwen Antwerpen solche Feuergerichte stattfanden das aber sonst ohne Wirkung blieb.

Auch in Basel war an seine Ausführung nicht zu denken. Aber hier wollte die Curie schon den Druck selbst hindern, daher Pucci im Aufträge des Nuntius Aleander im November 1520 von der Tagsatzung verlangte, Druck und Verkauf lutherischer Bücher im Gebiete der Eidgenossenschaft zu verbieten.

Schon im Sommer 1519 wußten die Basler Lutherfreunde, daß der Peterspropst Ludwig Bär alle hier erscheinenden lutherischen Schriften sofort nach Rom sende; auch auf den Kanzeln wurde über die Drucker geklagt. Aber was jetzt die Curie ins Werk setzen wollte, war aussichtslos. Rhenan fand, daß Pucci sich mit seinen Wühlereien lächerlich mache, und der Rat trug seinen Gesandten zur Tagsatzung auf, keiner Maßregel gegen die Lutherbüchlein beizustimmen; „drucks und kaufs wer da will“. Er ließ seinen Druckern volle Freiheit. Die Einwendungen der Bär Wonnecker und Konsorten richteten nichts bei ihm aus, so wenig wie beim Volke, „das schon offene Augen und eine eigene Witterung hatte“.

In den Werken Luthers, die Basel vertrieb, redete Dieser selbst zu Unzähligen.

Aber noch Andere erhoben ihre Stimme. Auch Karlstadts Melanchthons Bugenhagens Schriften wurden in Basel gedruckt. Und zu solcher Literatur trat nun eine hundertartige, ruhelos sich ablösende, unaufhörlich neue Publizistik, die den Ort Basel selbst erregte und von hier aus rings in die Ferne ging. In dieser als Einzelblatt Flugschrift Büchlein, als Lied, als Drama, als Traktat auftretenden Tagesproduktion verkündigte sich eine öffentliche Meinung und wurde zugleich eine solche geschaffen. Sie war Zeugnis der allgemeinen Teilnahme am Religionskampfe; der einzelne Autor verschwand dabei und blieb unbekannt; seine Schrift sprach für die Menge und zu dieser.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 323. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/344&oldid=3403258 (Version vom 1.8.2018)