Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/368

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Noch Wurstisen gedenkt seiner als eines Begründers der Kirche; er war „nach Ökolampad der Bedeutendste unter Basels evangelischen Predigern“. Im Übrigen gibt es nur allgemeine Redensarten. „Sie waren fast gute christliche Predikanten“, bezeugt diesen Männern der ihnen geneigte Chronist; sie sind ihm nur Repräsentanten des Neuen überhaupt. Was für scharfe, grell bemalte Bilder geben daneben die Gegner! Von Wissenburg, der ein böser Mensch ist, im Überrocke Messe liest, das bischöfliche Predigtmandat verachtet u. dgl. m.; vom Barte, den Imelin als der erste Pfaff in Basel getragen, vom DurchdieNasereden und vom Konkubinate dieses Imelin, von seiner rücksichtslosen Derbheit im Abtun der alten Kirchenbräuche; vom Hochmute des ungebildeten Bertschi; von der dreisten und Alles, auch das Unanständige heraussprudelnden, nur auf den Applaus gerichteten Redefertigkeit Lütharts.


Notwendigerweise bedurften diese evangelischen Gemeinschaften einer eigenen Gottesdienstordnung.

Nachdem die alte Pfarrpredigt mit ihrer Bindung an die Perikopenvorschrift und ihrer Behandlung der oft verschiedenartigsten Materien durch die dem Verlauf eines biblischen Buches folgende einfache Lektion und Auslegung ersetzt war, geschah das Nächste in Sachen der Messe.

Reublin und Imelin verwarfen die Messe überhaupt; Ähnliches verlautet von Ökolampad. Doch kam es nicht zur Abschaffung. Die Messe blieb. Aber schon im Jahre 1523 redet der Karthäuser von der Meßfeier in deutscher Sprache als allgemeinem Brauche der Basler Lutheraner, im Einzelnen wird genannt die deutsche Meßfeier Wissenburgs.

Wir erinnern uns hiebei an das schöne Basler Plenarium des Adam Petri 1514, das eine deutsche Übersetzung aller Gebete und Gesänge der Messe gegeben hatte. Wir wissen auch, daß schon mehrere Jahre vor der Herausgabe der deutschen Messe Luthers (1526) in Nördlingen Straßburg und anderswo die Messen in deutscher Sprache begangen wurden. Auf der Ebernburg hatte Ökolampad 1522 den Meßritus mehrfach geändert, den bisher still gesprochenen Kanon laut gelesen, Epistel und Evangelium in deutscher Sprache vorgetragen.

Solches geschah nun in Basel. Wichtig war dabei nicht nur, daß die Meßliturgie jetzt allen Anwesenden verständlich wurde; das Große war die Möglichkeit innerer Beteiligung der Gemeinde an der bisher abgesonderten Opferhandlung des Priesters am Altare.

Neben diese Reform der Messe trat die Einrichtung eines die katholische Kommunionsfeier ersetzenden evangelischen Abendmahles. Vorerst bestand

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 347. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/368&oldid=3403284 (Version vom 1.8.2018)